Licht des Lebens
Die Entdeckung der Bio-Photonen
Auszüge aus einem Interview von Mathias Bröckers mit Prof. Dr. Fritz A.Popp.
Erschienen als Einführung in dessen Buch
"Die Botschaft der Nahrung" im Zweitausendeins-Verlag,
Frankfurt – online zu bestellen unter
www.zweitausendeins.de
Es ist Licht in unseren Zellen. Jede lebende Substanz, jede
organische Zelle von Pflanzen, Menschen, Tieren, strahlt ein äußerst schwaches,
aber kohärentes, d.h. geordnetes, laser-artiges Licht ab. Ein Licht, das sich
wie Laserstrahlen hervorragend zur Signalübertragung eignet und vermutlich
sämtliche Energiefelder des Organismus, der zellularen und inter-zelluraren
Kommunikation steuert. Erstmals in den 20er Jahren in der Sowjetunion entdeckt,
konnte die Strahlung erst 1975 von einer Gruppe deutscher Biophysiker unter
Leitung von Professor Fritz A. Popp zweifelsfrei nachgewiesen werden. Doch mit
diesen Messungen, die seitdem an vielen Universitäten der Welt bestätigt worden
sind, wurde nicht nur eines der spannendsten Kapitel der heutigen Biophysik und
"Life-Sciences" aufgeschlagen, sondern auch ein ziemlich düsterer Abschnitt der
modernen Wissenschaftsgeschichte: Fritz Popp verlor seine Professur an der Uni
Marburg und war in den folgenden zwei Jahrzehnten dem schikanösen Mobbing einer
Lobby von Wissenschaftlern ausgesetzt, das in vielen Zügen Parallelen zu der
Verfolgung von Wilhelm Reich in den 50er Jahren trägt. Auch dieser war
bekanntlich einer biologischen Strahlung auf der Spur, die er "Orgon" nannte –
und wurde trotz höchster Reputation vom akademischen Establishment als
Scharlatan und Spinner denunziert. Popp & die von ihm "Bio-Photonen"
genannte Lichtstrahlung haben eine ähnliche Odysee hinter sich – allerdings mit
glücklicherem Ausgang als bei Reich, der in einem amerikanischen Gefängnis
starb.
Die Existenz der Biophotonen-Strahlung ist mittlerweile
international anerkannt und wird an vielen Hochschulen erforscht – und Fritz
Popp hat die inquisitorischen Schikanen der Wissenschafts-Mafia dank privater
Mäzene und der praktischen Umsetzung seiner Entdeckung für die
Lebensmittelanalyse überlebt. So liefert die Biophotonen-Messung beispielsweise
erstmals ein eindeutiges Kriterium dafür, ob ein Hühnerei unter
Freilandlandbedingungen oder in einer Legebatterie erzeugt wurde. Gesunde,
biologisch erzeugte Lebensmittel weisen deutlich höhere Biophotonen-Strahlung
auf als Treibhausware – ein Ende des Etikettenschwindels mit "Bio" ist in
Sicht.
Und gleichzeitig ein neuer Blick auf das organische Leben
insgesamt und die Zukunft der medizinische Diagnostik, für die die
Biophotonen-Analyse im kommenden Jahrhundert einen ebensogroßen Fortschritt
bedeuten könnte wie für unser Jahrhundert die Entdeckung der Röntgen-Strahlen.
Auch die antiken Vorstellungen der Lebenskraft, der energetische Aura des
"Lichtwesens" Mensch, das "Prana" der indischen und das "Chi" der chinesischen
Medizin strahlen dank der Biophtonen-Entdeckung nunmehr in einem ganz neuen
Licht. Eben dies, die Wiederbelebung der alten vitalistischen Konzepte durch
eine nunmehr objektive Messung, ist der Grund für den Skandal, den Popps
Entdeckung in der Schulwissenschaft macht – und für die Tatsache, das hier das
bedeutendste, zukunftsträchtigste Forschungsgebiet der Wissenschaften vom Leben
liegt.
Der Weg eines Physikers zum Licht
Frage:
Herr Dr. Popp, wie sind Sie als Schüler oder Student zur
Physik, Ihrem Studien- und Fachgebiet überhaupt gekommen?
Popp:
Eigentlich darf ich das gar nicht sagen: Ich wollte
ursprünglich Philosoph werden. Und das ist schon ein Angriffspunkt für meine
Theorien, denn heute macht man sich verächtlich, wenn man als Wissenschaftler
Philosoph genannt wird. Mein Physiklehrer hat mich dann überzeugt Physik zu
studieren. Er sagte: Studier erstmal Physik, dann kannst du auch ein guter
Philosoph werden. So fing ich dann an Physik zu studieren und hab das auch nie
bereut. Die Physik ist so umfangreich, daß man keine Zeit mehr hat Philosoph zu
werden, wenn man sich damit beschäftigt.
Frage:
Welchen Teilbereich der Physik haben Sie sich
vorgenommen?
Popp:
Ursprünglich war ich sehr an der Elektrodynamik interessiert,
aber später hat mich dann die Quantentheorie fasziniert. Einfach deshalb, weil
ich enorme Probleme hatte, die Quantentheorie zu verstehen. Und es lohnt sich,
sich damit auseinanderzusetzen, weil im Laufe der Zeit eine Gewöhnung eintritt
an eine Logik, die wesentlich logischer und wesentlich stringenter ist als
unsere klassische Logik.
Ich habe dann in Mainz in Quantentheorie promoviert und später,
als ich die Technik beherrschte, interessierten mich Anwendungsmöglichkeiten.
Ich ahnte, daß das Bild weiter auszudehnen ist, daß man weitergehen kann, daß
man nicht auf einzelne Moleküle zurückgreifen muß, um die Quantentheorie zu
exerzieren, sondern daß man vorwiegend auch makroskopische Systeme besser
versteht, wenn man die Gesetze der Quantentheorie einsetzt. Und so interessierte
mich dann die Medizin; ich habe dann in Biophysik, einem medizinischen
Fachbereich, habilitiert und begann in dieses Thema einzusteigen durch eine
Frage, die von der Quantentheorie her lösbar erschien, nämlich die Frage, warum
sind manche Moleküle, wie z.B. das Benzoapyren, das in unserem Tabakrauch
vorkommt, karzinogen, sehr stark krebserregend, während andere Moleküle, die
diesem Benzoapyren wie ein Zwilling dem anderen gleichen - sie unterscheiden
sich nur durch die Anordnung eines Benzolrings - völlig harmlos sind. Da die
chemischen Eigenschaften relativ gleich sind dachte ich, man müßte von der
Physik her die Frage klären, in welcher Eigenschaft sich diese Moleküle so ganz
grundlegend unterscheiden, daß das eine Krebs erregen kann und das andere nicht.
Und wenn man diese grundlegenden Eigenschaften - es konnten nicht sehr viele
sein -, über quantentheoretische Berechnungen, z.B. des Spektrums ihrer
optischen Eigenschaften, wenn man diese grundlegenden Eigenschaften, in denen
sie sich unterscheiden, erkannt hätte, dann wüßte man auch mehr über die
Entstehung des Krebses. Das war eigentlich die Ausgangsfrage. Mich hat das sehr
fasziniert und da ich gelernt hatte, wie man die Wellenfunktion und die
angeregten Zustände solcher Moleküle berechnet, habe ich das getan und dann
einfach die Listen der Ergebnisse verglichen und versucht herauszufinden, in
welchen Eigenschaften ergeben sich wirklich grundlegende Unterschiede in den
molekularen quantentheoretischen Ergebnissen. Und ich fand, glücklicherweise,
bei Benzoapyren und Benzoepyrin - das Benzoapyren ist eine stark karzinogene
Substanz, das Benzoepyren ist harmlos - einen einzigen Unterschied, in dem sie
sich wirklich grundlegend unterschieden und das war eine optische Eigenschaft.
Also keine chemische Eigenschaft, nicht etwa verschiedene chemische Reaktionen,
auch nicht irgendwelche Verhalten in der Diskursität oder in anderen einfachen
physikalischen Eigenschaften, sondern in einem optischen Parameter.
Frage: Wie sah dieser optische Parameter aus ?
Vereinfacht ausgedrückt, ist das Benzoapyren ist für
ultraviolettes Licht nicht durchlässig. Das ultraviolette Licht, bei etwa 380
Nanometer, wird von Benzoapyren absorbiert, wird aber dann im Molekül
transformiert in andere Wellenlängen und wieder reemittiert, es wird also
verfälscht. Während das Benzoepyren, das harmlose Molekül, dieses Licht bei 380
Nanometer einfach durchläßt, transparent ist.
Frage:
Das "gefährliche" Benzol-Molekül spiegelt also ultraviolettes
Licht zurück und verfälscht es dabei. Wie ist das zu erklären ?
Popp:
Es hat eine sehr seltsame optische Eigenschaft, die man in der
Quantentheorie "Entartung"nennt, eine Entartung der entsprechenden
Energieniveaus. Aber das wäre alles noch verkraftbar gewesen oder man hätte
gesagt, na gut, warum nicht. Doch parallel dazu fiel mir auf, daß das
Benzoapyren, diese stark krebserregende Substanz, in den 30er Jahren dadurch als
krebserregende Substanz erkannt worden ist, daß ein englischer Wissenschaftler
einige Tonnen Steinkohlenteer gekauft hat und diesen Steinkohlenteer mit
ultraviolettem Licht um 380 Nanometer belichtet, angestrahlt hat – und dann
immer die Substanz isoliert, die sehr eindrucksvoll und sehr absonderlich
reemittierte. Und auf diese Weise hat er das Benzoapyren gefunden. Und keine
Statistik der Welt kann dieses Ergebnis übertreffen, dass hier aus dem
Experiment her darauf hindeutete, es muß eine optische Eigenschaft sein. Stellen
Sie sich mal vor, wieviele verschiedene Moleküle unter anderem natürlich auch
das Benzoepyren, in diesem Steinkohlenteer vorkommen. Sie wenden eine
Eigenschaft an, nämlich eine optische Eigenschaft und finden die Stecknadel in
diesem Heuhaufen genau durch diese optische Eigenschaft.Für mich war von diesem
Zeitpunkt an glasklar, daß es einen Zusammenhang geben muß zwischen der
karzinogenen Eigenschaft des Benzoapyren und seinen optischen Eigenschaften.
Frage:
Daß Krebsentstehung etwas mit optischen Fragen, mit Licht zu
tun haben könnte klingt erst einmal ungewöhnlich. Kommt der Optik hier
tatsächlich so eine wichtige Rolle zu ?
Popp:
Ja, bei der Tumorentstehung. Ich bin natürlich auch mit den
anderen Tumorentstehungsmöglichkeiten beschäftigt und habe mich auch mit der
chemischen Karzinogenese sehr intensiv befasst. Ich war damals Dozent an der
Universität in Marburg, hatte also Zeit und konnte mich wissenschaftlich sehr
gründlich mit diesen Dingen beschäftigen. Ich konnte Doktoranden auf
verschiedene Themen ansetzen. Und im Laufe der Jahre wurde bei mir das Bild, daß
sich hier irgendwelche Lichteigenschaften für die Tumorentstehung verantwortlich
sind, dieses Bild wurde immer klarer. Ich habe natürlich noch viele
Anhaltspunkte gefunden, z.B. gibt es im Organismus einen sogenannten
Fotorepaire, Fotoreparatur nennt man das. Das funktioniert so: Sie bestrahlen
Zellen oder Zellverbände mit ultraviolettem Licht, um 380 Nanometer oder höher,
und zerfetzen die DNA zu einem solchen Anteil, daß vielleicht nur noch zwei,
drei Prozent davon übrigbleiben. Wenn sie dann dieses Molekülgewirr anschließend
mit dem gleichen Licht um 380 Nanometer auch, allerdings mit sehr schwacher
Intensität wieder bestrahlen, dann werden diese Schäden innerhalb eines Tages
wieder behoben. Man nennt das Fotoreparatur. Damals wußte man es noch nicht
genau, aber heute weiß man, daß diese Fotoreparatur von der einzelnen Zelle bis
zum Menschen in allen Organismen funktioniert.
Frage: Das hört sich an wie ein Wunder....
Popp:
Bis heute kennt man die Mechanismen nicht, man weiß nur, daß es
geht. Dieser Effekt ist unbestritten. Natürlich habe ich dann Zusammenhänge dazu
hergestellt und mir vorgestellt, nehmen wir mal an, dieses Molekül Benzoapyren
taucht in den Zellen auf, es wird aufgenommen und es findet ständig vom
Organismus her - die Strahlung muß ja nicht unbedingt von außen kommen – eine
solche Fotoreparatur statt. Dann kann es sein, daß dieses Benzoapyren diese
Reparatursignale verfälscht und durch die Verfälschung dieser Signale wird die
Reparatur der Zellen unterbunden und daraus entsteht Krebs. Das war natürlich
nicht reine Spinnerei, denn man kennt Patienten, z.B. solche, die
Xerodermapigmentose machen, das ist eine Hautkrebsart, bei denen dieses
Reparatursystem nicht funktioniert. Und die Ursache für die Entstehung des
Krebses ist genau das Ausfallen dieser Reparatur. Diese Patienten werden nicht
älter als 20 Jahre, sie können nicht geheilt werden, weil man dieses
Reparatursystem selbst nicht reparieren kann. Hier zeichneten sich sehr viele
Zusammenhänge und mir wurde immer klarer, dass hier die wirkliche Ursache für
die Tumorentstehung liegt. Ich habe das dann auch publiziert - damals noch ein
anerkannter Wissenschaftler, der durchaus gelesen wurde. Meine Arbeiten wurden
akzeptiert und diskutiert. Ich habe sogar eine Einladung bekommen vom
Krebsforschungszentrum in Heidelberg zu einer Klausurtagung, bei der die 15
renommiertesten Krebsforscher der damaligen Zeit eingeladen waren. Das war für
mich ein großes Erlebnis, zwar hat man mich nicht als großen Krebsforscher
eingeladen, sondern man meine Arbeiten für interessant und diskussionswürdig
hielt und die Gelegenheit geben wollte, vor diesem Gremium darüber zu berichten.
Ich kann mich heute noch erinnern, ich hatte den besten Anzug dann, sprach
allerdings das schlechteste Englisch von allen und brachte es immerhin fertig,
daß eine der Teilnehmerinnen, eine französische Gelehrte, die damals sehr
bekannt war durch ihre Untersuchungen an chemischer Karzinogenese, sie war die
Päpstin auf diesem Gebiet, daß die das sehr ernst nahm, was ich gesagt habe. Und
sie ist zu mir gekommen und hat gesagt, ich sollte diese Theorie nie aufgeben,
sie ist überzeugt davon, daß ich recht habe. Das hat mich verblüfft, weil die
anderen eher verhalten, bzw. zurückhaltend reagiert haben. Und am Schluß dieser
Tagung hat man mir gesagt, also wenn diese Theorie richtig ist, dann muß es ja
auch Licht in den Zellen geben, denn ohne Licht können diese Prozesse natürlich
gar nicht stattfinden. Und ich habe geistesgegenwärtig reagiert und gesagt:
"Warum eigentlich nicht?".
Frage:
War das nur Geistesgegenwart oder hatten Sie sich da schon mit
der Möglichkeit, daß Zellen Licht aussenden könnten beschäftigt ?
Popp:
Ich hatte schon einmal etwas in der Richtung läuten hören,
nicht allerdings etwas gewußt, und habe gesagt: "Wenn ihr mir die Gelegenheit
gebt, Forschungsmittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft zu erhalten,
dann baue ich so ein Gerät, untersuche das und weise das nach." Und so ist es
dann auch gekommen. Ich habe dann die Mittel bekommen. Ich habe einen tüchtigen
Doktoranden gefunden, der die Untersuchungen machte und zwei Jahre später hatten
wir dann das Gerät auch fertiggebaut. Es mußte das empfindlichste Lichtmeßgerät
sein, das man bauen kann, denn der Doktorand meinte, es existierte Licht in
Zellen und um nun zu beweisen, daß es kein Licht gibt - auch damit hätte er
natürlich promovieren können - mußte er natürlich das empfindlichste Gerät
bauen. Und zwei Jahre später hatte er das wirklich stehen, das Gerät ist heute
noch das empfindlichste Gerät, es hat 10 hoch minus 17 Watt und zu seinem
eigenen Erstaunen - ich muß ehrlich sagen, auch zu meinem Erstaunen zeigte sich
wirklich dieses Licht.
Frage: Welche Art von Zellen haben Sie bei den ersten Messungen
benutzt?
Wir haben es zunächst an Gurkenkeimen gemessen und der
Doktorand sagte dann, ja das ist Chlorophyl, was da leuchtet - und hat dann
Kartoffenkeime genommen, die völlig chlorophylfrei waren und zu unserem
Erstaunen haben die sogar noch stärker gestrahlt als die Gurkenkeime. Auf diese
Weise haben wir uns dann selbst überzeugt, das Licht existiert. Auch um 380
Nanometer, es waren aber auch andere Wellenlängen dabei, nicht nur 380
Nanometer, sonders es ging letztlich über den gesamten Bereich von UV bis in den
Nichtinfrarot-Bereich, bis etwa 800 Nanometer. Nach diesen Messungen im Jahr
1975 waren wir natürlich überzeugt, daß das Licht existiert und es begannen dann
gleichzeitig die Probleme, die heute 25 Jahre später, die Deutlichkeit, zu sehen
sind.
Frage:
Schon Anfang 30er Jahre gab es ja eine Forschung, vor allen
Dingen in der Sowjetunion, die damals die von Ihnen jetzt Biophotonen genannte
Strahlung schon entdeckt hatte. Verdanken wir die Entdeckung, die
Wiederentdeckung heute, dann letztlich dem ultrafeinen neuen Meßgerät, das Ihr
Doktorand mit Ihrer Hilfe konstruiert hat?
Popp:
Ich habe in dieser Zeit, ich glaube es war 1973, im ´Bild der
Wissenschaft` einen Artikel von einem neueren Experiment von Russen gelesen, die
gezeigt hatten und vermuteten liessen, daß Strahlen, Lichtwellen, die Sprache
der Zellen sind. Das stand in ´Bild der Wissenschaft` und während alle anderen
das gleich zurückgelegt haben und von Wundern aus der UdSSR gesprochen haben,
von Spinnereien usw., habe ich dieses Ergebnis natürlich sehr sehr ernst
genommen, einfach deswegen, weil es genau in die Richtung lief, in der wir
selbst gedacht hatten. Und im Zuge der Nachforschungen sind wir auch auf die
Arbeiten von Alexander Gurwitsch gestoßen, den eigentlichen Entdecker der
Biophotonen. Ich kenne heute seinen Enkel, der Mitarbeiter in unserem Institut
ist und einen Lehrstuhl für Entwicklungsbiologie an der Moskauer
Staatsuniversität hat. Er hat mir sehr viel von seinem Großvater erzählt, so daß
ich heute sehr viel über die damalige Entwicklung weiß. Und ich möchte aus der
heutigen Sicht sogar sagen, daß ich Alexander Gurwitsch für das größte Genie des
vergehenden Jahrhunderts halte. Er hat genau die richtige Frage gestellt, die
letztlich mit dieser Lichtemission verbunden ist. Warum z.B. wächst eine Leber,
wenn man sie in Stücke schneidet oder wenn man Teile davon entfernt, warum
wächst die Leber wieder genau so nach, so daß die ursprüngliche Form wieder
hergestellt wird? Woher weiß eine Zelle, daß sie aufzuhören hat zu wachsen, oder
daß sie zu wachsen hat, um eine ursprüngliche Form wiederherzustellen? Und
genial wie er war, und das ist der entscheidende Punkt, davon hebt er sich ab
von 99,999 Prozent seiner Kollegen, genial wie er war hat er sofort gemerkt,
durch Chemie ist so etwas nicht zu machen. Man kann nicht mit Chemie
Informationen dieser Art übertragen, das ist unmöglich. Also ist er auch auf
Felder gekommen, er ist der eigentliche Entdecker oder Erfinder dessen, was wir
heute morphogenetisches Feld nennt. Und er hat in seiner Genialität sogar
vermutet, daß es Lichtwellen sein müssen, daß es Lichtstrahlen sein müssen. Und
er hat dann entsprechende Versuche gemacht, den sogenannten Zwiebelversuch
gemacht, bei dem er er dem Schaft einer Zwiebel die Spitze einer zweiten Zwiebel
genähert hat und dann die Zahl der Mitosen ausgezählt, die an der
gegenüberliegenden Seite der Spitze auf dem Schaft entstehen. Und wenn er eine
Glasplatte dazwischen brachte, eine normale Glasplatte, da verschwand der
Effekt, nahm er aber eine Quarzglasplatte dann konnte er den Effekt wieder neu
erkennen. Und daraus zog er den Schluß, daß es UV-Licht ist, weil das UV-Licht
durch Quarz hindurch geht und normales Fensterglas abgehalten wird. Und er hat
diese Strahlung auch in ihrer Bedeutung der zellteilungsauslösenden Wirkung
mitogenetische Strahlung genannt. Er hätte in den 30er Jahren fast den
Nobelpreis bekommen, seine Versuche wurden damals wiederholt auch nachgemacht,
zum größten Teil sogar mit Erfolg. Einige wenige konnten das Ergebnis nicht
verifizieren und die haben ihn dann mehr oder weniger mundtot gemacht. Sie haben
ihn schließlich so in die Enge getrieben mit ihrer Hetzpropaganda, man kann es
wirklich sagen es war Hetzpropaganda, daß keiner mehr an ihn glaubte er sogar
als falscher Prophet gebrandmarkt wurde. Er ist vor etwa 15 Jahren gestorben,
aber er war nach wie vor von der Richtigkeit seiner Überlegungen überzeugt und
ist guten Mutes gestorben, weil er wußte, daß sich das durchsetzen wird
Frage:
Diese Verfolgung und ungerechtfertigte, überzogene Kritik an
dieser Entdeckung von Gurwitsch in den 20er Jahren hat sicher nicht nur mit der
Problematk der Messung einer ultraschwachen Strahlung zu tun, die damals ja noch
viel schwieriger war als heute, sondern doch wohl auch mit der Diskussion des
wissenschaftlichen Weltbildes, dem alten Streit, der zwischen Vitalismus und
Mechanismus, also zwischen zwei Schulen des Erklärens von Lebensvorgängen da
ist. Glauben Sie, daß das Mobbing, was Gurwitsch damals mundtot machte, darauf
zurückzuführen ist, daß das orthodoxe Weltbild der Wissenschaft, die
mechanistische, molekularbiologische Baukasten-Sicht des Lebens, durch seine
Entdeckung ernsthaft ins Wanken geraten wäre?
Popp:
Dieser Streit spielt im Hintergrund natürlich eine große Rolle.
Dazu kommt die Entwicklung, die immer den Mechanisten recht gibt, weil
Mechanisten natürlich auch sehr stark positivistisch eingestellt sind. Sie haben
immer ein Substrat, das den Nachweis für ihre Ideen liefert und sie sind immer
in der glücklichen Lage, daß sie nicht auf Hypothesen oder Theorien
zurückzugreifen brauchen, um etwas zu demonstrieren. Andererseits hätte
Gurwitsch eigentlich einen guten Nährboden in Rußland gehabt. In Rußland hat
sich der Vitalismus viel stärker erhalten als hier in den westlichen Ländern.
Gurwitsch hat aus drei - meiner Meinung nach - vorwiegend aus drei Gründen
diesen Kampf, wenn man das mal so bezeichnen will, verloren. Das erste war, die
aufkommende Biochemie hat seine Ergebnisse überflüssig gemacht. Mit der
Entdeckung des genetischen Codes, mit der Entdeckung der Molekularbiologie hat
man geglaubt, man braucht keine elektromagnetischen Felder, um das Wachstum zu
verstehen. Man hatte Wachstumshormone und viele Substanzen und auch heute noch
glaubt man ja, daß es nur chemische Kommunikation gibt. Dieser Streit wurde von
Anfang an gegen Gurwitsch entschieden, er hatte keine Chance. Zum zweiten kam
hinzu, daß Gurwitsch zwischen die Mühlsteine der Auseinandersetzung von
Vitalisten und Mechanisten geraten ist. Gerade deswegen, weil er keiner dieser
Seiten sich zugehörig fühlte. Gurwitsch war zu anständig und zu seriös, zu
akkurat und zu sorgfältig, um sich von Ideologien leiten zu lassen. Er ist
gerade deswegen, weil er nicht zu einer der beiden Gruppen gehörte, meiner
Meinung nach das Opfer von beiden Seiten geworden. Und der dritte Punkt: zu der
damaligen Zeit hatte man auch die Physik viel zu wenig verstanden. Gurwitsch hat
aus diesem Grunde sogar abgelehnt, diese mitogenetische Strahlung oder die
morphogenetischen Felder als physikalische Felder zu betrachten. Das ist meiner
Meinung nach ein Fehler gewesen, aber dieser Fehler resultierte einfach aus der
Enttäuschung heraus, daß die damalige Physik selbst keine Erklärung liefern
konnte. Heute kann sie das viel eher. Zu der damaligen Zeit hat man z.B. von
Lasern nie etwas gehört, sie wurden erst in den 50er Jahren entwickelt. Man
konnte das auch physikalisch nicht verstehen. Die Zeit war weder technisch noch
von den wissenschaftlichen Grundlagen her reif, um diese brillante geniale Idee
Gurwitsch´s zu verifizieren.
Frage:
Wir haben in der Wissenschaftsgeschichte und in der Geschichte
der Entdeckungen oft solche Wellenbewegungen, daß bestimmte Sachen schon früh
entdeckt werden und dann aufgrund bestimmter Zeitumstände, oder fehlender noch
Erkenntnisse und Grundlagen dann wieder völlig in der Versenkung verschwindet,
um dann nach einem gewissen Zeitraum wieder aufzutauchen. Was jetzt die
Biophotonen angeht, so sind sie in den 20er, 30er Jahren entdeckt und auch
erforscht worden, dann aber, weil sich ein anderer Trend, eben der biochemische
Erklärungsversuch, dominant durchgesetzt hat, dann fast 50 Jahre in der
Versenkung verschwunden, bis Sie dann, Mitte der 70er in Marburg, dieses
unmögliche Thema wieder auf die Tagesordnung gebracht haben, durch Ihre
Messung.
Popp:
Und unabhängig von Gurwitsch. Wäre ich nämlich über Gurwitsch
darauf gestoßen, hätte ich wahrscheinlich genauso reagiert wie die Kollegen
auch, ich hätte das für unmöglich gehalten. Aber dadurch, daß ich durch eine
völlig andere Betrachtung in die gleiche Richtung gestoßen bin, freute ich mich
natürlich dann enorm, als ich sah, daß ich nicht der einzige bin, der solche
"Schnapsideen" hat, sondern daß das von anderer Seite, und zwar von sehr
seriöser Seite auch schon so gesehen worden ist. Gurwitsch war für mich ein
Halt, den ich brauchte, um mich gegen die Widerstände, die natürlich auch
unmittelbar nach unserer Entdeckung auftraten, zur Wehr setzen zu können. Man
hat dann zwar gesagt, ja, die Russen, das wissen wir ja, und man versuchte dann
Gurwitsch niederzubügeln. Und zu unserer Entdeckung hat man gleich gesagt: Das
ist Wärmestrahlung – und von da an ging es wie so oft bei Entdeckungen: Am
Anfang sagt man, die Entdeckung gibt es gar nicht, wenn sich dann herausgestellt
hat, daß es sie gibt, sagt man, ja sie gibt es zwar, aber sie ist unwichtig.
Wenn sich dann die Wichtigkeit erwiesen hat, sagt man, sie ist zwar wichtig,
aber sie ist nicht mehr neu.
Frage:
In Sachen Biophotonen sind wir jetzt wahrscheinlich schon beim
Übergang von der zweiten in die dritte Phase. 1975, als Sie das erstmals messen
konnten, ging aber ein ziemlich unrühmliches Kapitel unserer aktuellen
Wissenschaftsgeschichte los: sie verloren ihre Stelle an der Universität und
hatten große Schwierigkeiten, ihre Forschung überhaupt fortzusetzen. Die
Schikanen, denen Sie durch eine, ja man kann schon sagen "Wissenschaftsmafia"
ausgesetzt waren, zogen sich über Jahre hin. Welcher Lehrmeinung oder welchen
Lehrkörpern, traten Biophotonen so auf den Fuß, dass sie von der Universität
entfernt werden mussten ? Die Geschichte dieses Mobbings füllt mittlerweile
ganze Dossiers und ist gerichtsnotorisch - was waren die Hauptgründe, daß Ihnen
soviele Hindernisse in den Weg gelegt wurden?
Popp:
Ich wäre froh, wenn ich alle diese Gründe kennte. Ich bin
einfach in eine Geschichte hineingeraten, in der ich viel zu naiv war, um die
Gründe zu erkennen. Ich war an einem Institut, in dem vorwiegend die Medizin
natürlich das Sagen hatte und ich war Physiker, ein Fremdkörper in gewisser
Weise. 1972 hatte mich der Senat einstimmig zum Professor nominiert. Und ich
wunderte mich dann, daß ich nur Dozent auf Zeit geworden bin. Ich bin der Sache
dann nicht nachgegangen, erst später ist mir klargeworden, daß man mit allen
Mitteln verhindern mußte, daß eine Planstelle in einem solchen Institut an einen
Physiker vergeben wird. Ein zweiter Punkt war, daß ich
Strahlenschutzbevollmächtigter war - und viel zu naiv, um zu sehen, daß auch ein
Bevollmächtigter sich gefälligst der Institutsleitung zu unterstellen hat,
selbst wenn er Kontrollinstanz ist. Ich glaubte immer, ich würde meine Aufgabe
besonders sorgfältig wahrnehmen, wenn ich eben mal dem einen oder anderen auch
mal auf die Füße trete, und damit habe ich mich einfach bei der Leitung dieses
Instituts sehr unbeliebt gemacht. Und von da gingen dann die Wellen aus nach
außen. Und wenn man mal jemand, der wie ich damals schon einen bestimmten
Bekanntheitsgrad hatte, und einige Mittel bekommt und eine Arbeitsgruppe mit 15
Leuten, dann hat man Schwierigkeiten, einen Menschen wie mich wieder
loszuwerden. Und da werden dann natürlich alle Register gezogen, die an einer
Universität möglich sind. Da verbrüdert man sich dann mit anderen Fakultäten
usw. und die Schwierigkeiten wurden dann immer größer, so daß dann, als sich die
glückliche Chance ergab, 1980, Dozenten von der Universität zu entfernen, man
diese Gelegenheit auch bei mir genutzt hat. Heute bin ich froh darüber, daß es
so gekommen ist, denn ich kann mir gar nicht vorstellen, wenn ich da geblieben
wäre, daß ich wirklich so intensiv an diesem Thema weitergearbeitet hätte.
Ich hätte mich möglicherweise früher oder später dann einfach
geschlagen gegeben und hätte gesagt, warum soll ich mir das Leben schwermachen.
So aber hat dieser Schlag, es war ein Schicksalsschlag auch, vor allem ja für
meine Familie, wir saßen auf der Straße, dazu geführt, daß ich mich natürlich
völlig ungerecht behandelt fühlte und dachte: jetzt erst recht!
Ich bin nicht irgendeiner Karriere hinterhergelaufen, sondern
ich habe gesagt, ich muß jetzt alles in meinen Kräften stehende tun, um die
Dinge aufzuhellen und diese Theorie, oder diese Ideen zu überprüfen und
weiterzuentwickeln. Man hat gerade das Gegenteil von dem erreicht, was man
eigentlich wollte. Man wollte mich letztlich, das ist ganz klar, da gibt es
genügend Belege dafür, auch existentiell vernichten. Und hat dadurch das
Gegenteil erreicht und mich erst richtig zur Aktivität gezwungen.
Frage:
Sie haben dann private Mäzene oder andere Möglichkeiten
gefunden, Ihre Forschungen zu finanzieren?
Popp:
Ich hatte ein großes Glück gehabt, daß die Dinge damals schon
so bekannt waren und so leicht eingesehen werden konnten in ihrer Bedeutung, daß
es immer wieder - gerade auch von privater Seite - Menschen gegeben hat, die
gesagt haben, wir müssen das unterstützen, wir müssen ihm weiterhelfen. Und ich
habe auch Wissenschaftler gefunden, die mir geholfen haben. An erster Stelle
möchte ich Professor Nagl erwähnen, mit dem ich lange Zeit zusammengearbeitet
habe, der hat mich an die Universität in Kaiserslautern geholt, er wollte mir
auch einen Lehrstuhl für Biophysik dort verschaffen, konnte sich aber auch
letztlich nicht gegen die diese Lehrmeinung, gegen diese innere Überzeugung der
heutigen Wissenschaftler durchsetzen, die eben vor allen Dingen das
mechanistische Weltbild in Gefahr sehen, wenn die Dinge, die durch diese
Biophotonik proklamiert werden, wirklich richtig sind. Das sind keine rationalen
Auseinandersetzungen, das sind regelrechte Angstreaktionen.
Frage:
Ja, es hat in ihrem Fall ja fast schon inquisitorische Züge
angenommen, ihre Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit zu untergraben, und zu
behaupten: der Popp spinnt..
Popp:
... der spinnt, oder der ist verrückt geworden. Das
Kultusministerium in Hessen wurde zum Beispiel darauf hinzuweisen, daß Gutachten
gegen mich vorlägen, die es doch ratsam erscheinen lassen würden, mich in eine
Irrenanstalt einzuweisen. Ich habe dann den Dekan, der das geschrieben hat,
angeschrieben und gesagt, ich als Opfer, müßte doch am ehesten etwas davon
hören, damit ich mich einer solchen Pflege angedeihen lassen könnte. Ich habe
nie eine Antwort darauf bekommen. Denn es gab natürlich keine solchen Testate.
Aber allein, daß so etwas irgendwo steht und behauptet wird, reicht aus, um Sie
natürlich an allen Ecken und Enden unmöglich zu machen.
Frage:
Was macht es lehrbuchgläubigen Physikern so schwer
anzuerkennen, daß die an vielen unabhängigen Instituten und Universitäten
nachgewiese Biophotonen-Strahlung ein wissenschaftliches Faktum ist. Müssen sie
da über ihren Schatten springen oder ihr Weltbild aus dem Fenster werfen ? Oder
braucht es erst die biologische Lösung, d.h. das Aussterben einer ganzen
Wissenschaftsgeneration, um neuen Ideen zum Durchbruch zu verhelfen?
Popp:
Schauen Sie sich doch mal die Landschaft an. Wenn heute jemand
irgendwo als Physiker arbeitet, dann hat er ein spezielles Gebiet. Und dann wird
er als Techniker verwendet oder er repariert Computer oder er beschäftigt sich
mit Internet, der andere baut Laser usw. Jeder hat so sein Spezialgebiet und 99
Prozent der Kollegen wären gar nicht in der Lage, die ganze Problematik zu
erfassen, die ja von interdisziplinärer Natur ist. Man muß ja auch wissen, was
ist eine DNA, wie ist die DNA aufgebaut, wie funktioniert die Biochemie? Man muß
ja nicht nur die Physik beherrschen und zwar sehr gut beherrschen, sondern muß
sich auch in den biologischen Phänomenen auskennen. Man darf gar keine
Fachdisziplin in den Vordergrund stellen, sondern man muß die Fragestellung in
den Vordergrund stellen. Es ist von dieser Seite her gar nicht möglich, daß ein
Physiker aufsteht und sagt, ich weiß, der hat recht. Der kann das gar nicht
beurteilen. Und selbst wenn noch so viel Sympathie für solche Ideen vorhanden
ist, er wird stets in Argumentationsnot sein. Damit will ich nicht sagen, daß
diese Physiker alle dumm sind, sondern sie sind spezialisiert, sie kennen sich
auf ihren Gebieten möglicherweise hervorragend aus, aber sie haben gar nicht die
Möglichkeit, nicht die Zeit, nicht die Ausbildung, um solche Fragen dann
wirklich verantwortungsvoll zu beurteilen. Und die wenige, die das tun, oder
glauben sie tun es, sind wirklich echte Scharlatane. Ich kenne einige von diesen
Experten, die sich hinstellen und sagen, sie beherrschen das ganze Gebiet. Wenn
man sie aber dann nach Einzelheiten fragt, dann stehen sie da und wissen nichts,
oder geben Antworten, da kann man nur mit dem Kopf schütteln. Das ist eine Art
von Negativauslese in der Beurteilung eines Phänomens, das automatisch zustande
kommt. Diejenigen, die am wenigsten in der Lage sind das zu beurteilen, die
reißen den Mund am weitesten auf.
Frage:
Sie haben dann im Zusammenhang mit Ihrer Untersuchung von
Tumorzellen und der biophotonischen Strahlung dort auch eine Theorie der
Krebsentstehung oder des Krebses aufgestellt und an einer Stelle in Ihrem Buch
habe ich gelesen, vom Krebs leben ja mehr Leute als daran sterben. Eine kleine
Spitze gegen die überkommene traditionelle Krebsforschung, die sich tunnelartig
auf ein Bild dieser Krankheit fixiert und über den Tellerrand nicht
hinausschauen will. Das hat es für Sie sehr schwierig gemacht im Bereich der
Krebsforschung weitere Mittel für die Biophotonik zu akquirieren. Was
unterscheidet Ihre Theorie von Krebs von der herkömmlichen und was führte dazu,
daß Ihre Hypothesen bisher so wenig ernstgenommen worden sind in der
Krebsforschung?
Popp:
Das ist ja der Dreh- und Angelpunkt und der Anfang der ganzen
Geschichte gewesen: daß mir klar wurde, nachdem ich mich einige Jahre intensiv
mit den herkömmlichen Anschauungen der Krebstheorie beschäftigt hatte - diese
Denkweise, dieser Denkansatz ist falsch. Der Denkansatz beginnt falsch zu werden
von dem Punkt an, von dem ich von einer Tumorzelle spreche. Die Tumorzelle gibt
es nicht. Das ist genauso falsch, wie wenn ich sage, jemand ist asozial. Er kann
sich in der einen Situation sozial, in einer anderen asozial verhalten. Das
hängt nicht von ihm als Person ab, sondern es hängt von seiner Wechselwirkung
mit der Umgebung ab. Das ist der entscheidende Ansatz. Aber wenn Sie sich die
Tumorforschung ansehen bis heute, es erscheinen ja täglich tausende von neuen
Arbeiten und Aufsätzen darüber, wird immer so getan, als ob die Eigenschaft
Krebs zu erzeugen oder Krebs zu sein, eine Individualeigenschaft der Zelle sei.
Das kann natürlich soweit kommen mit dem Fortschritt einer Erkrankung, aber das
A und O der Fragestellung beginnt, muß da beginnen, gibt es überhaupt eine
Eigenschaft in einem Individuum, sich als sozial oder nichtsozial zu verhalten,
ohne daß ich die Wechselwirkungen mit der Umgebung berücksichtige. Ein Beispiel:
Während meiner Doktorarbeit habe ich Unterricht in der Schule gegeben, da war
einer in der Klasse, der war in der ganzen Schule verschrieen, man sagte, das
ist der Schlimmste, mit dem kommt niemand aus usw., der muß von der Schule
entfernt werden. Ich wurde vor ihm gewarnt, und gerade aufgrund meines
Denkansatzes, weil ich mir klar war, diese Eigenschaften sind nicht in einer
Persönlichkeit, sondern sie hängen von der Wechselwirkung mit der Umgebung ab,
habe ich ihn ganz anders behandelt, als er normalerweise behandelt wird. Ich
habe ihm Verantwortung übertragen, habe gesagt, er soll die Versuche vorbereiten
usw., am Anfang sehr unwillig, aber später ist er hineingewachsen in diese
Aufgabe, er hat sich gerade gegenteilig verhalten, als es normalerweise von ihm
gesagt worden ist. Ähnlich ist es auch in einem Gewebeverband. Ich habe manchmal
den Eindruck, wenn man z.B. nach Krebseigenschaften fragt, dann läuft das
physikalisch betrachtet oft darauf hinaus zum Beispiel zu fragen, welche
Temperatur ist jetzt in diesem Raum und dann fängt man an die einzelnen Moleküle
einzufangen und sie unters Mikroskop zu legen. Da wird man nie herausfinden, wie
hoch die Temperatur ist. Oder in einer Bevölkerung kann man nicht dadurch, daß
man Frauen biochemisch untersucht, herausfinden, wie groß die
Bevölkerungsaktivität ist oder wieviele Kinder auf die Welt kommen. Das sind
Eigenschaften, die sich in den Wechselwirkungen mit den anderen Zellen zeigen.
Das gilt auch für die Frage des Wachstums von Zellverbändnen und die
Wachstumsregulation.
Und da bin ich wieder bei Alexander Gurwitsch, diesem sehr
genialen Denker, der eben z.B. in Lichtwechselwirkungen die Ursache für eine
solche Regulation gesehen hat und ich folge ihm hier hundertprozentig. Ich
glaube, es muß nicht unbedingt allein nur Licht sein, es können auch andere
elektromagnetische Wellen sein, aber die Frage, wer oder was steuert das
Wachstum, kann nicht im molekularen Bereich beantwortet werden, nicht dadurch,
daß man die Moleküle unters Mikroskop legt und irgendwelche Defekte in den
Molekülen erkennt. Sie kann nur beantwortet werden, wenn ich das Gesamtspiel,
wenn ich mir das Konzert anhören und nicht die Musikinstrumente in Teile
zerlege. Und die Theorie, die ich dann darauf gebaut habe ist sehr einfach. Ich
sage einfach, solange eine Verständigung im Organismus möglich ist, wird es auch
keinen Krebs geben, d.h. Krebs ist immer eine Störung dieser Verständigung
zwischen den Zellen, in denen eben das Wachstum genau bestimmt wird. Und die
elementare Verständigungsbasis von Lichtwellen ist von der Physik her
betrachtet, die Kohärenz, also die Fähigkeit, Informationen mit
elektromagnetischen Wellen zu übertragen. Krebs ist also eine Kohärenzstörung,
die in der Kommunikation über Licht stattfindet. Und diese Kohärenzstörung kann
auch meßtechnisch nachgewiesen werden. Wir haben das getan in den letzten
Jahren. Es hat sich immer wieder gezeigt im Experiment, daß Tumorzellen eben so
reagieren, daß diese Kohärenz, die wir messen können, über eine bestimmte
Schwelle hinweg gestört wird. Die Kohärenz geht verloren, die Zelle kann nicht
mehr mit der anderen kommunizieren und sobald dieser Kontakt abgeschnitten ist,
sobald durch die Hinzunahme einer weiteren Zelle die Kommunikation nicht
verbessert wird, entsteht ein Tumor.
Frage:
Das heißt, ohne die über die Lichinformation stattfindende
Zellkommunikation wächst es nicht mehr geordnet, in Absprache mit den Nachbarn,
sondern "wild"...
Popp:
Die Philosophie geht noch ein bißchen weiter. Das können Sie
auch im täglichen Leben erleben. Wenn sie z.B. eine Gesellschaft betrachten die
sich bildet, ein Verein oder eine Ehe oder was immer auch, es kommt darauf an,
daß durch die Hinzunahme eines neuen Gruppenmitglieds die Informationsfähigkeit,
die Informationskapazität des Gesamten nicht vermindert, sondern erhöht wird.
Solange das funktioniert, funktioniert auch die Gruppe. Sobald aber durch die
Hinzunahme eines neuen Mitglieds die Informationsbasis verschlechtert wird,
bricht das Gesamtsystem auseinander, dann funktioniert es nicht mehr. Das heißt,
die Vergesellschaftung erfolgt über den Wert der Informationsfähigkeit im
System. Und das ist in einem Organismus das gleiche wie in jeder Gesellschaft.
Und die Basis dafür ist die Verständigungsbasis, die Verständigungsmöglichkeit,
die Transparenz, die Möglichkeit sich zu äußern, Informationsübertragung. Es ist
nicht der Zwang miteinander zu reden, sondern es ist die Fähigkeit, alles zu
artikulieren, was man dem anderen mitteilen möchte. Und so ist es auch im
Gewebeverband und die physikalische Basis dafür ist die Kohärenz dieser
Biophotonen bzw. elektromagnetischer Wellen, mit denen dieser
Informationsaustausch stattfindet.
Frage:
Das heißt, wir haben hier in der üblichen Betrachtung des
Krebses wieder jenen detaillistischen Blick, der das Geschehen in immer kleinere
Einzelteile zu zerlegen versucht, in der Hoffnung, wenn ich erstmal die
kleinsten Einzelbausteine gefunden habe, dann kann ich alles erklären, auch die
Krankheit Krebs. Das ist ja das Credo der gesamten Molekularbiologie: wir müssen
nur noch die Gene mal richtig ausgezählt haben, das dauert noch ein paar Jahre,
dann können wir, dann haben wir jeden einzelnen Baustein identifiziert und
können das Leben insgesamt erklären. Ist das nicht dasselbe wie der untaugliche
Versuch, ein Haus zu bauen aus einem Riesenberg von Einzel-Bausteinen, ohne daß
ein Bauplan, eine Architektur, eine Vorstellung vom Ganzen da ist ?
Popp:
In der Biologie ist alles miteinander verbunden. Wenn ich sage,
wir dürfen nicht die Moleküle zum entscheidenden Kriterium für das Verständnis
machen, dann heißt das nicht, daß die Moleküle unbedeutend sind. Worauf ich
hinaus möchte: wir müssen verstehen, wie in diesem Wechselspiel aus Materie und
elektromagnetischem Feld sich etwas aufbaut, dem man dann die Eigenschaft der
Kohärenz zusprechen kann. Das Interessante ist Folgendes und das ist
gleichzeitig das Fatale: Je besser meine Theorie stimmen sollte - ich drücke
mich mal ganz bewußt im Konjunktiv aus -, umso mehr wird der mechanistische
Denker bei seinen Experimenten überzeugt davon sein, daß er recht hat, so
paradox das klingt. Und zwar aus folgendem Grund: Wenn diese Eigenschaft der
Kohärenz die entscheidende Eigenschaft ist, dann heißt das gleichzeitig, daß
jedes Teilchen mit jedem anderen Teilchen in einem solchen Verband miteinander
über dieses Feld verbunden ist. Und jeder, der jetzt nachweisen möchte, daß ein
ganz bestimmtes Molekül Krebs auslöst, wird natürlich zum Erfolg kommen, weil
egal, wo er hineinsticht, immmer wieder ein Argument für seine falsche Theorie
findet.
Frage:
Weil eben alle Moleküle miteinander vernetzt sind...
Popp:
Ja. Wenn ich in ein Stimmgabelkonzert hineingehe und nun an
einer ganz bestimmten Stimmgabel etwas drehe, dann wird natürlich was passieren,
ich werde, wenn ich so falsch denke, überzeugt davon sein, das kann jetzt nur
die Stimmgabel gewesen sein. Der eine findet Kalzium, der andere findet die
DNAs, der andere findet Viren, der vierte Proteine, der fünfte die Membran und
alle glauben, sie seien im Recht. Aber sie sind nur deshalb im Recht, weil eben
alle Dinge miteinander über solche Wechselwirkungen verbunden sind, und weil
letztlich die integrative, integrale Funktion aller Teile darüber bestimmt, ob
eine Kommunikationsbasis aufrechterhalten bleibt oder zusammenbricht. Deswegen
ist es auch sehr schwer im Einzelfall jetzt genau zu sagen, der Patient hat den
Tumor aus dem und dem Grund bekommen. Es gibt nur selten monokausale Ursachen
dafür. Da baut sich irgendetwas auf, das beginnt mit irgendeinem
Schicksalsschlag, und führt dann dazu, daß der sich unvernünftig ernährt und
dann kommt er in einen Circulus Vitiosus... wo ist da die Ursache? Irgendwann
konzentriert sich das auf die schwächste Stelle im Organismus und das System
sagt, was soll ich in dieser schrecklichen Welt, es ist ja viel besser, ich gehe
zugrunde. Dann entsteht ein vorgeplanter Selbstmord. Und auch aus dieser Sicht,
aus dieser ethischen Sicht, ist natürlich die Behandlung heute völlig
falsch.
Frage:
Man nimmt sich detaillistisch den einzelnen Tumor vor und
lasert oder strahlt ihn weg oder bringt ihn mit chemotherapeutischen
Medikamenten zum Verschwinden an einer Stelle, d.h. man versucht, die Symptome
zu beseitigen. Doch die Ursache der Krankheit liegt ganz woanders und wenn wir
Ihrer Hypothese folgen, dann liegt sie in einer Kommunikationsstörung des
organischen Systems, des Zellverbands untereinander, wo kohärente, geordnete
Kommunikation nicht stattfinden kann...
Popp:
Kohärent muß nicht geordnet heißen. Geordnet ist etwas anderes
als kohärent. Kohärent heißt im Grunde genommen ... schauen Sie, ein Beispiel:
Wenn alle Menschen die Nase in eine Richtung halten, dann würde man sagen, sie
sind kohärent oder man würde sagen es ist geordnet und man würde den Schluß
daraus ziehen, die wissen etwas voneinander. Aber wichtig ist nicht, daß sie die
Nase in einer Ordnung halten ... sondern wichtig ist, daß sie etwas voneinander
wissen. Und wenn sie etwas voneinander wissen, müssen sie die Nase nicht in eine
Richtung halten. Das ist nur eine Möglichkeit davon. So ist es auch mit der
Kohärenz. Kohärenz heißt nicht, daß das jetzt geordnete Laserbeams sind, die nur
in eine Richtung gehen können. Geordnet heißt, daß die Fähigkeit besteht, eine
Wechselwirkung durchzuführen, in der jeder Teil mit jedem anderen Teil
kommunizieren kann.
Frage:
Ein Vogelschwarm wäre kohärent, weil er in eine bestimmte
Richtung fliegt und eine bestimmte Form auch einnimmt und ...
Popp:
Muß aber nicht. Und wahrscheinlich kommunizieren sie auch dann,
wenn sie nicht in eine Richtung fliegen. Oder sie können es zumindest
machen.
Frage:
Was könnte die Biophotonik in Sachen Krebsdiagnostik in Zukunft
beitragen und wie könnten biophotonische Messungen uns auch in der Behandlung
dann der Krebsursachen, die ja nach wie vor, selbst wenn wir jetzt allgemein
eine Kommunikationsstörung da annehmen noch rätselhaft sind, wie könnte die
Biophotonik da in Zukunft weiterhelfen?
Popp:
Wir sind im Moment dabei und machen Messungen des Lichtfeldes
vom Menschen. Und wir haben im Moment jetzt bisher etwa zweihundert Menschen
untersucht, auch Tumorpatienten und haben - das ist das Negative daran -, nie
ein verändertes Lichtfeld gesehen, wenn jemand an einer ganz bestimmten Stelle
einen Tumor hat. Also wenn z.B. jemand einen Lebertumor hat, brauche ich mir gar
nicht einzubilden, daß an der Stelle, an der die Leber sitzt, ein verändertes
Lichtfeld zu messen ist, interessanterweise. Wir haben es jedenfalls bisher noch
nicht gefunden. Sondern, in all den Fällen fällt auf, daß Assymmetrien da sind
und daß die Patienten, die Tumorpatienten, ihr Lichtfeld relativ niedrig halten
und sehr wenig verändern. Es ist eine gewisse Erstarrung in der Lichtemission.
Es ist kaum noch eine Ankopplungsszene z.B. an biologische Rhythmen. Wir sehen
bei gesunden Menschen auch niedrige Werte, aber die verändern sich im Rhythmus
äußerer Vorgänge, z.B. Tag/Nacht, Monatsrhythmus. Bei Tumorpatienten sind diese
Rhythmen sehr stark verlorengegangen. Und ich würde heute aus dieser Sicht
glauben, daß eine mögliche Therapie für Tumorpatienten im wesentlichen darin
besteht, dafür zu sorgen, daß ihr gesamtes Regulationssystem, nicht nur die
Stelle, an der der Tumor sitzt, sondern der gesamte Mensch sich irgendwie in
natürliche Rhythmen wieder einjustieren, eintunen muß, wie der Engländer oder
Amerikaner sagt. Darin sähe ich eine Möglichkeit. Z.B. immer mit Sonnenaufgang
zu meditieren, das soll es schon geben, scheint mir recht sinnvoll zu sein, und
bei Sonnenuntergang wieder zu meditieren, also eine Ankopplung an die
natürlichen Rhythmen zu gewinnen, natürlich mit anderen, mit vielen anderen
Maßnahmen. Aber ich würde beispielsweise nie dazu raten, das Gewebe zu
zerstören. Vielleicht mit Ausnahme von Operationen. Operationen sind in Ordnung,
aber das normale Gewebe, das Bindegewebe sollte nicht vernichtet werden. Das
kann man beispielsweise erkennen an den vielen Spontanheilungen, die es gibt.
Vielleicht noch die Bemerkung: Ich kann natürlich - und das ist immer gefährlich
jetzt allgemeine Ratschläge zu geben -, aber Hinweise, oder man sollte in
Richtungen denken, wie Spontanheilungen verbessern, die Ursachen für
Spontanheilungen herausfinden, den gesamten Organismus einschließlich natürlich
seiner psychischen Situation zu betreuen, möglichst wenig zu schaden. Dem
Patienten wirklich die Möglichkeit zu geben, geheilt zu werden und nicht aus der
Gewißheit heraus, das Leben für eine ganz bestimmte Frist zu verlängern,
möglicherweise diese Chance zu vernichten. Das scheint mir das Wichtigste zu
sein. Wobei der Einzelne vielleicht auch die Chance haben sollte, selbst darüber
zu befinden, ob er sich lieber mit Chemikalien behandeln läßt und damit eine
gewisse Garantie bekommt, noch eine bestimmte Zeit zu leben, aber möglicherweise
dadurch eben die Chance verliert, überhaupt geheilt zu werden. Oder ob er das
Risiko auf sich nehmen will, ohne Chemotherapie mit alternativen komplementären
Methoden, möglicherweise eine größere Heilungschance zu bekommen.
Frage:
Könnte die Biophotonik auch Aufschluß darüber geben, für
Krankheiten, wie Krebs, aber auch andere, wo beispielsweise das Immunsystem
geschwächt ist und es schwierig ist, für den Patienten die richtige Arznei zu
finden...- daß da eben durch die Messungen der Lichtintensität jetzt vielleicht
nicht das Arzneimittel, aber Tendenzen erkannt werden können, welche
Therapieform dem Patienten am besten hilft?
Popp:
Ja. Ich denke, daß hier eine Zukunftsaussicht besteht. Ich darf
darauf hinweisen, daß ja heute bereits in der Diagnostik Methoden eingesetzt
werden, die von uns zum ersten Mal überhaupt erkannt wurden, nämlich, daß z.B.
mit Laser das Gewebe belichtet wird und man aus der erhöhten Lichtintensität der
reflektierten Lichtsignale, heute bereits recht erfolgreich Tumoren
diagnostizieren kann im Inneren des Organismus. Wir waren die Ersten, die diesen
Effekt erkannt haben und auch publiziert haben.
Frage:
Der Terminus dafür ist die diese verspätete Luminiszenz
Popp:
Delayed Luminescence. Man kann die Technik sehr stark in eine
relativ schadlose Diagnose umsetzen. Und wenn man eine nichtinvasive Diagnose
hat, ist es nicht sehr schwer, auch eine gute Therapie zu finden. Wenn man den
Patienten immer wieder beobachten kann, ohne daß man im schadet, hat man die
Möglichkeit Therapieverläufe zu verfolgen. Das kann man ja heute leider nicht,
weil die einzige Möglichkeit darin besteht, daß man eben z.B. durch
Röntgenstrahlung oder durch invasive Methoden dem Patienten schaden muß, um zu
erkennen, wie sein Tumor weiterwächst. Und auf lange Sicht ist das keine
Methode.
Frage:
Könnte man sich vorstellen, daß, wenn wir das Frequenzgeschehen
im Zellverband im Körper letztlich entschlüsselt haben, wenn wir also das
Alphabet oder die Sprache der Frequenzen kennen mit der die Zellen untereinander
kommunizieren, was ja jetzt erst ansatzweise geschehen ist - könnten dann
Biophotonenmessungen in 50, 100 Jahren einen ähnlichen Schritt bedeuten, wie vor
hundert Jahren eben Röntgen und seine Methode der Diagnose ?
Popp:
Das ist jetzt natürlich sehr spekulativ was ich sage, ich kann
aus unseren bisherigen Erfahrungen Schlüsse ziehen. Wir haben alle technischen
Möglichkeiten, die es gibt, noch bei weitem nicht genutzt. Das ist auch sehr
schwer, das technisch weiterzuentwickeln. Wir sind selbst gar nicht in der Lage
dazu, aber wenn ich mal die Mission artikulieren kann: Ich glaube, daß z.B.
durch die Beobachtung der Änderung der Frequenzen durch eine Ganzkörperanalyse
des gesamten Lichtspektrums, was aus dem Organismus kommt, vielleicht noch auch
Infrarot miteinbezogen, Mikrowellen usw., daß die technische Analyse einer
solchen Emission die Zukunft der medizinischen Diagnostik überhaupt ist. Davon
bin ich überzeugt. Man wird aus solchen Bildern vielleicht in 50, 100 Jahren
letztlich alles erkennen können, was man wissen will.
Frage:
Ein Biophotonenscanner sozusagen, wie man das heute nennt, der
völlig ungefährlich im Unterschied zu Röntgenstrahlen ein Bild aufnimmt und uns
sehr genaue Auskunft geben kann, über den lebensnahen oder lebensfernen Zustand
der jeweiligen...
Popp:
Ja. Ich habe mit Japanern darüber gesprochen, die ja jährlich
an die hundert Millionen US-Dollar in diese Entwicklung stecken. Der Japaner hat
mir im Vertrauen gesagt, daß man darüber nachdenkt in Japan eine Kathode zu
entwickeln, die über dem gesamten Menschen liegt und damit also eine
Momentaufnahme oder auch Zeitaufnahmen des Lichtfeldes machen kann. Das ist
furchtbar teuer, sowas kostet heute an die 30 Millionen Mark vielleicht. Aber am
Anfang war alles teuer. Und wenn man dann, nehmen wir mal an, sie könnten mit
einem solchen Gerät am Tag 50 Menschen diagnostizieren, dann macht sich das auf
die Dauer bezahlt.
Frage:
Sie haben mit den Biophotonenmessungen auch Forschungen zur
Wirkunsgweise der Homöopathie und zur der Wirkung homöopathischer Präparate
gemacht. Die Homöopathie hat ja unbestritten große Heilerfolge. Umstritten ist
nach wie vor nur, wie diese Heilerfolge zustande kommen, ob es eine
nachzuweisende Wirkung dieser Verschüttelungen der homöopathischen Arzneien
gibt, oder ob das Ganze auf einer Selbstheilung, dem Glauben des Patienten, also
auf dem berühmten Placeboeffekt nur beruht. Sie haben dazu Forschungen
angefangen, dann aber wieder aufgegeben nach einer gewissen Zeit, weil Sie sich
da auch zwischen beide Stühle sozusagen gesetzt haben und es keinem so richtig
recht machen konnten... weder den Schulmedizinern, die sagen, die Homöopathie
ist Mumpitz, noch den Homöopathen, die sagen, sie ist das einzig Wahre.
Popp:
Ich habe diese Forschungen nicht aufgegeben, weil ich unter
Druck geraten bin. Es ist richtig, daß ich wegen der Homöopathie die Universität
Kaiserslautern verlassen mußte. Ich habe Vorlesungsverbot bekommen, weil ich
einen Forschungsauftrag über Homöopathie angenommen haben. Und ich habe den
Ärger der Homöopathen heraufbeschworen, weil diese Forschung zu keinem Ergebnis
führte.
Frage:
Welche Experimente haben Sie in diesem Zusammenhang gemacht?
Popp:
Ich habe Pflanzen vergiftet und habe dann die gleichen Pflanzen
mit einem homöopathischen Präparat aus diesem Giftstoff behandelt und wollte
dann Unterschiede sehen zwischen den behandelten und den unbehandelten oder
denen mit dem Placebo behandelten Pflanzen. Und mit meiner Methode sah ich
Unterschiede nur bis zur D6, vielleicht bis zur D12, aber auf keinen Fall bis in
den Bereich der Hochpotenzen, von wo aus die ganze Geschichte erst interessant
geworden wäre. Und zu meinem Unglück nahmen die Effekte auch mit höherer Potenz
ab statt zuzunehmen und ich wußte einfach nicht mehr, wie komme ich weiter und
ich sah auch ehrlich gesagt überhaupt keine Möglichkeit, mit unseren Methoden
einen Beweis zu führen. Ich habe aber - das muß ich dazu sagen -, mich nie dazu
durchringen können, zu sagen, die Homöopathie kann nicht wirken. Innerlich habe
ich irgendwie das Gefühl, daß da was dran ist, habe auch Vorstellungen dazu. Ich
weiß nicht, ob Sie wissen, daß ich 1978 vom Bundesgesundheitsamt aufgefordert
wurde ein Gutachten zu schreiben. Ich habe damals in diesem Gutachten bereits
argumentiert: wir haben zwar keinen Beweis für die Wirksamkeit der Homöopathie,
Wir haben aber auch keinen Beweis dafür, daß sie unwirksam sein muß. Man muß
dieser Frage offen gegenüberstehen, auch wenn man zunächst glaubt, das sei
unmöglich. Aber warum ist das unmöglich? Es ist unmöglich im Rahmen eines
chemischen Modells – in den homöopathischen Arzneien sind sicher keine Moleküle
mehr drin. Es wäre auch Unsinn, wenn man sagen würde, Verunreinigungen sind
immer da, da müßte auch das Leitungswasser homöopathische Substanz sein. Oder
der Rhein, der von BASF ständig mit einer Urtinktur versorgt wird (lacht), der
müßte dann in Antwerpen ein hervorragendes Homöopathikum sein. Warum ich glaube,
daß es möglich ist, ist, weil der Hahnemann mit seinen beiden Prinzipien,
nämlich dem Simile-Prinzip und Potenzierungsprinzip, letztlich etwas bringt, was
von der Physik her sehr gut verständlich ist, nämlich das Resonanz-Prinzip. Die
Resonanz ist nichts anderes, als daß sie eine Ähnlichkeit hervorrufen müssen.
Sie müssen beispielsweise wenn Sie eine Stimmgabel anschlagen, und von der
Stimmgabel die Energie wegnehmen wollen, die gleiche Stimmgabel damit in
Resonanz bringen und die zweite Stimmgabel, mit der Sie die Energie entziehen,
darf selbst nicht schwingen, das sind genau die beiden Prinzipien, auf die
Hahnemann gekommen ist. Und es gibt in der Biologie tatsächlich einen Effekt.
Ich habe vorhin von diesem Fotorepair gesprochen. Das ist genau das. Beim
Fotorepair schädigen Sie mit UV-Strahlung bei 380 Nanemetern meinetwegen, und
die heilende Wirkung kommt durch die gleiche Strahlung zustande, nur in sehr
niedriger Dosis. Sie haben also hier etwas in der Biologie, was genau diesen
Regeln folgt. Ich kann mir vorstellen, daß das eine grundlegende Bedeutung in
der Biologie hat und ich habe auch Vorstellungen als Physiker, wie so etwas
wirken könnte. Es ist zwar sehr, sehr vage, ich habe keinen Beweis dafür, aber
ich kann mir vorstellen, daß es geht. Nehmen wir mal an, ich schüttele Wasser.
Durch das Verschütteln von Wasser verändere ich das Wasser. Das ist nicht das
gleiche, als wenn es unverschüttelt ist. Gut, der Physiker sagt, nach 10 hoch
minus 9 Sekunden sind die beiden wieder gleich, weil die Verschüttelung dann
ausgedämpft ist. Das stimmt nur bedingt. Es kann sein, daß Mikrooszillationen
übrig bleiben im Wasser, die, wie man sagt kohärente Zustände sind, die nicht
nach dem Exponentialgesetz abfallen, sondern nach einem einem hyperbolischen
Gesetz, d.h. sie bleiben über lange Zeit unter Umständen erhalten. Man spricht
hier von Solitonen. Man kann sich vorstellen, wenn man das beliebig oft macht,
daß man also solche Verschüttelungen mit dem Arzneimittel moduliert, und daß das
genau die gleiche Wirkung hat, wie eine Stimmgabel, die jetzt in den Organismus
hineingebracht wird, in der bereits das Gift mit hoher Oszillation schwingt und
dann wird diese Energie entzogen. Das ist vorstellbar. Und natürlich wird das
ein Chemiker oder Biochemiker nie akzeptieren, weil für ihn diese Vorstellung
völlig fremd ist. Sie ist fremd, aber sie ist richtig. Und wir müssen an solche
Möglichkeiten denken. Und ich glaube auch nicht, daß alle Homöopathen Spinner
sind. Die haben ihre Erfolge. Und jetzt kommt der entscheidende Punkt für mich:
Ich sehe ehrlich gesagt, und damit habe ich bei den Homöopathen natürlich wenig
Zustimmung gefunden, ich sehe keinen Unterschied zwischen dem Placebo-Effekt und
einer homöopathischen Wirkung. Der Placebo-Effekt wird immer als etwas
minderwertiger abgetan. Aber es ist ein Effekt. An den auch die Schulmediziner
glauben. Was wäre denn, wenn ich z.B. durch solche Präparate, nach den Regeln
von Hahnemann, eine Umstimmung im Organismus herbeiführen könnte, eine
Umstimmung im Befinden des Patienten, so daß der plötzlich an seine Heilung
nicht nur glaubt, sondern überzeugt davon ist, daß diese Umstimmung zu einer
echten Überzeugung führt. Und ich frage mich sogar, ob das nicht sowieso
notwendig wäre und ist bei jeder Heilung, diese innere Überzeugung. Und wenn
eine solche Überzeugung geschaffen wird, dann ist der Glaube an die Heilung und
die Heilung selbst, das sind völlig identische Dinge. Also von der Seite her ist
mir das alles nicht so absurd. Aber es wird durch Ideologien innerhalb der
verschiedenen Gruppen, sowohl bei den Homöopathen als auch bei den
Nichthomöopathen darf man über so etwas gar nicht diskutieren. Die haben ihre
bestimmten Vorstellungen. Die einen sagen, Placebo-Effekt ist minderwertig, hat
mit der Homöopathie nichts zu tun. Und die anderen, die Homöopathen, haben Angst
davor, daß sie in die Richtung von solchen Effekten gedrängt werden. Dabei
können sie froh sein, der Placebo-Effekt ist schulwissenschaftlich anerkannt,
das müßte eigentlich von der Krankenkasse bezahlt werden.
Frage:
Placebo ist die beste und auch die nicht-invasivste,
schonendste Methode, wieder gesund zu werden. Es heilt, wie wir wissen, auch die
allerschwersten, unheilbaren Krankheiten.
Popp:
Ja, natürlich. Es wird nicht einfach sein, aber ich meine, wenn
man das erst mal gesehen hat, diese Zusammenhänge, und akzeptiert oder zumindest
für möglich hält, dann wird man auch in die richtige Richtung marschieren. Statt
dessen wird eine Forschungspolitik heute betrieben, sowohl bei den
Nichthomöopathen als auch bei den Homöopathen, die, das kann ich Ihnen
versichern, noch tausend Jahre so betrieben werden kann, ohne Ergebnis. Weil sie
in völlig falsche Richtungen laufen.
Frage:
Sie haben zwar keine "mechanische" Wirkung der Homöopathie
nachweisen können, aber was sich doch gezeigt hat, ist, daß das berühmte
Gedächtnis des Wassers in gewisser Weise doch existiert. Das Wasser jenseits von
H2O in der Lage ist, bestimmte Informationen zu transportieren,
weiterzutragen, und daß deshalb viele der homöopathischen Vorstellungen, selbst
wenn man sie jetzt noch nicht nachweisen kann, durchaus auf dieses "informierte"
Wasser, zurückzuführen sein könnten ?
Popp:
Zumindest sehe ich keinen Grund, warum so etwas unmöglich sein
sollte. Gedächtnis ist natürlich auch eine Frage der Zeit, in der ein solches
Gedächtnis wirksam ist. Wenn ich einen Sensor habe, der völlig unempfindlich
ist, oder wenn ich jemand habe, der sein Gedächtnis verloren hat, dann können
sich bei dem natürlich bestimmte Mechanismen abspielen und ich kann nicht von
Gedächtnis reden. Wenn ich aber umgekehrt, nehmen wir mal an, einen Sensor habe,
der noch auf Aktivitäten reagiert, die man normalerweise nicht mehr nachweisen
kann, dann mißt dieser Sensor eine ganz andere Gedächtniszeit als ein grobes
Detektorsystem. Das heißt also, das Gedächtnis ist nicht nur eine Frage des
Objekts, das Sie untersuchen, sondern auch eine Frage des Detektors, der ein
Urteil über das Objekt abgibt. Und wenn ich jetzt also beispielsweise Wasser
verschüttele und mir einen Sensor nehme, der diese Mikrovibrationen nicht mehr
messen kann, dann ist das Gedächtnis für ihn 10 hoch minus 9 Sekunden. Dann ist
Schluß. Wenn aber dieser Sensor noch auf Mikrovibrationen reagiert, z.B. ein
biologischer Sensor, der ja wesentlich empfindlicher ist als ein physikalisches
Detektorsystem, dann kann dieser biologische Sensor vielleicht noch nach
Stunden, nach Wochen, nach Monaten etwas registrieren, der wird eine ganz andere
Gedächtniszeit feststellen als der physikalische Sensor. Das sind alles Dinge,
die nicht berücksichtigt werden bei diesen lapidaren Diskussionen um Gedächtnis.
Die einen sagen, Wasser hat ein Gedächtnis, die anderen sagen, Wasser hat kein
Gedächtnis. Doch sie wissen gar nicht, daß das abhängig davon ist, was sie unter
Gedächtnis verstehen, wie sie das definieren.
Frage:
Das Beispiel Homöopathie - Schulmedizin, wo Sie es mit der
Biophotonik keinem so richtig recht machen konnten, das haben wir dann ja in
einer ähnlichen Variante dann auch in der Lebensmittelanalyse. Sie haben ja das
Glück gehabt, daß Sie über Biophotonen-Meßapparaturen, die eben herstellbar
sind, und auch vermarktbar, diese Behinderungen und das Mobbing des
Wissenschaftsestablishments umgehen konnten. Ich habe mich, als ich Ihre
Geschichte gelesen habe, manchmal an Wilhelm Reich erinnert gefühlt, der ja auch
einer biologischen Strahlung auf der Spur war, dann auch, weil man ihn nicht
ernstgenommen hat, seine Orgon-Kisten verkaufen mußte, weswegen er er dann
letztlich ins Gefängnis kam ...
Popp:
Das letzte fehlt noch bei mir. Aber die Kisten, die mysteriösen
Kisten, verkaufe ich schon.
Frage:
Wilhelm Reich ist dann trotz hoher Reputation und Anerkennung
ziemlich elendig zugrunde gegangen.Letztlich hat er seine Forschungen nur retten
können, weil er versucht hat, sie einfach umzusetzen in Apparaturen, die
verkaufbar sind. Ihm hat es nichts genützt. Aber Ihnen hat es am Ende geholfen,
sodaß Sie Sie jetzt in der Lage sind, für die Lebensmittelanalyse mit der
Biophotonik Geräte zu liefern, die etwas können, was die normale
Lebensmittelanalyse nicht kann. Doch damit sind Sie auch wieder zwischen zwei
Stühlen gelandet, denn Sie konnten es weder den konventionellen Landwirten noch
den Biobauern richtig recht machen...
Popp:
Ja, es scheint so zu sein, daß eine Polarität in der
Gesellschaft aufgetreten ist, in der die Wahrheit in gewisser Weise in der Mitte
liegt und man sie trotzdem nicht als einen Kompromiß bezeichnen kann. Auch hier
in der Lebensmittelanalytik zeigt sich plötzlich ein ganz neues Fenster der
Qualitätseigenschaften, durch das man bisher nicht geschaut hat. Der chemische
Analytiker wird Ihnen kaum etwas darüber sagen können, was z.B. die Frische ist,
wie der Frischezustand gemessen werden kann. Oder er kann Ihnen kaum etwas dazu
sagen, was Keimfähigkeit ist, Keimfähigkeit von Getreide beispielsweise, das ist
eines der wichtigsten, elementaren biologischen Eigenschaften überhaupt, ohne
die Keimfähigkeit könnten wir nicht existieren. Und die herkömmliche Analytik
kann Ihnen dazu überhaupt nichts sagen. Denn wenn ich ein Weizenkorn zermahle,
sind die Moleküle nach wie vor die gleichen. Die Analytik wird keine Aussage
darüber machen können, was die Keimfähigkeit ist, weil die Moleküle oder die
Analyse nicht ausreicht, um diese Gesamteigenschaft zu beschreiben. Auf der
anderen Seite, der Biobauer orientiert sich zwangsläufig nicht an
wissenschaftlichen Erkenntnissen, sondern an seinem Gefühl, an seiner
Einstellung zur Natur, die richtig sein kann, die aber auch verfälscht werden
kann durch Ideologien. Da werden dann mehr Zauberformeln beschrieben, als daß
man an die wirklichen Probleme denkt. Ich weiß z.B. aus unseren Erfahrungen, daß
das Problem heute eigentlich gar nicht ist: biologischer Anbau, ja oder nein ?
Auf das wird das reduziert. Das Problem besteht im Grunde genommen darin, daß
unsere Äcker, Böden, einfach überdüngt werden, daß die Bauern dazu gezwungen
werden, viel zu viel zu produzieren, weil sie das billig machen müssen usw. Und
darunter leiden natürlich beide Seiten und wenn man daß dann zu reduzieren
versucht auf plötzlich besondere Qualitäten von biologisch angebauter Ware, die
durch den biologischen Anbau gar nicht so erheblich verbessert werden müssen,
weil nämlich noch viele andere Faktoren dazukommen. Da kommt der Sonneneinfluß
dazu, die Bodenbeschaffenheit, es kommen dazu die richtige Sortenauswahl an der
richtigen Stelle, die Fertigung usw., diese Dinge spielen oft eine wesentlich
größere Rolle als die Düngervariante, freilich unter der Voraussetzung, daß man
vernünftig düngt. Das heißt also auch hier erleben Sie die seltsame Situation,
daß es nicht zugelassen wird, daß die richtigen Fragen gestellt werden.
Frage:
Und die lauten bei einem Lebensmittel?
Popp:
Zuerst einmal, herauszufinden, was ist überhaupt Qualität? Auf
die richtige Spur hat uns da auch jemand gesetzt, der heute verstorben ist, aber
ähnlich genial war wie Gurwitsch, nämlich der Quantenphysiker Erwin Schrödinger.
Schrödinger hat die richtige Frage gestellt, indem er darauf hingewiesen hat,
daß es bei Lebensmittelqualität überhaupt nicht darauf ankommt, daß der
Verbraucher mit Energie versorgt wird. Wenn das der Fall wäre, könnte er ja z.B.
Nitroglyzerin in Unmengen zu sich nehmen. Sondern es kommt darauf an, daß er
richtig informiert wird von der Nahrung, daß seine Ordnung stabilisiert,
aufgebaut wird, daß sie erhalten bleibt. Und diese Ordnung, von der Schrödinger
spricht, ist zwar bei ihm nicht exakt definiert, aber wir müssen dieser Frage
nachgehen. Wir müssen herausfinden, was ist diese Ordnung? Wie gewinnt der
Verbraucher Ordnungen? In dem Sinne ist natürlich die Lebensmittelqualität von
der Frage der medizinischen Versorgung nicht so verschieden, so daß es sich
anbietet, von den Fragen der Medizin eben auf die Frage der Lebensmittel zu
gehen. Ich habe da ein interessante Erlebnis gehabt: ich war von einem
Max-Planck-Institut für Lebensmittel eingeladen und dort wurde über die DNA
gesprochen und ob die DNA Licht speichern kann, warum nicht usw., es wurde über
alle molekularen Dinge gesprochen. Und als ich dann angefangen habe zu sagen,
daß man mit dieser Methode unter Umständen auch Lebensmittel analysieren kann,
da hat man gesagt, wie ich überhaupt auf solche idiotischen Themen käme, das
würde vielleicht Marktfrauen interessieren, aber keine wissenschaftliche
Institution. Soweit ist man heute.
Frage:
Sie schreiben an einer Stelle, daß wir uns letztlich von Licht
ernähren. Schrödinger sagt, wir nehmen über die Nahrung sozusagen
Ordnungszustände auf, mit denen wir die Entropie, also die Unordnung in unserem
Körper ständig bekämpfen, wir informieren uns mit kosmischer Ordnung, indem wir
gesunde Nahrung zu uns nehmen. Das erinnert an die archaische Vorstellung des
Menschen als einem Lichtwesen und was die Ernährung betrifft bedeutet es, daß
Fragen der Materie, der Kalorien das entscheidende sind, sondern die der
kohärenten Lichtinformationen, die wir aufnehmen.
Wenn ich nun ein Lichtwesen bin und will wissen, welche
Pflanze, welches Gemüse, welches Ei, welche Nahrung ist für mich optimal? Kann
ich mir da vorstellen, daß hier um die Ecke in diesem ein tollen
Biolebensmittelsupermarkt in 20 Jahren an der Kasse so ein Gerät steht, wo mein
Salat und mein Gemüse und meine Butter und alles vorbeifährt und ich krieg
jedesmal einen Lichtwert angegeben, der mir sagt, jawoll, das ist ordentlich,
das ist eine gesunde Nahrung ?
Popp:
Also vom Ansatz ist es zunächst sicher richtig, lieber eine
objektive Testung der Qualität durchzuführen, als die Qualität über den Ursprung
definieren zu wollen. Weil der Ursprung nicht eine ein-eindeutige Einflußnahme
auf die Qualität nimmt. Wie gesagt, das Klima spielt eine Rolle, Sonneneinfluß
usw., das kann man nicht daraus erkennen, daß man sagt, das war jetzt Bioanbau
oder nicht Bioanbau. Wir haben vor kurzem ein sehr deutliches Beispiel gehabt
mit einer Getreidesorte Dinkel. Und da wurde verglichen Dinkel aus biologischem
Anbau mit Dinkel aus konventionellem Anbau, aber in einer Gegend, in der Dinkel
hervorragend gedeiht, während die Gegend, in der er biologisch angebaut wurde,
völlig ungeeignet war. Und es stellte sich auch tatsächlich heraus, daß der
Dinkel aus konventionellem Anbau bei vernünftiger Düngung qualitätsmäßig
wesentlich besser war, das wurde durch verschiedene Verfahren eindeutig belegt,
einschließlich der Biophotonik. Und dann nützt es nichts zu sagen, das ist jetzt
biologisch angebauter Dinkel. Ich denke, viel besser als diese Biophotonik wäre,
wenn wir unser eigenes Gespür, das wir ja haben, unseren eigenen Appetit, unsere
Fähigkeiten, die Nahrung richtig zu beurteilen, wenn wir das wieder verbessern
könnten, wenn wir wüßten, was wir brauchen, was wir wollen. Ich habe das
gemerkt, als ich in China war, ich lebte eine Weile in China, da fand ich für
kurze Zeit wieder zurück zu meinem ursprünglichen Empfinden. Ich habe also dort
gelebt wie der Herrgott in Frankreich kann man sagen und habe fünf Kilo
abgenommen in dieser Zeit. Ich habe das nicht für möglich gehalten. Warum? Weil
die Nahrung gesund war und weil ich wußte, was mir gut tut und was mir nicht gut
tut. Und es war eine enorme Diversität da. Das Gegenteil passiert Ihnen wenn Sie
in die USA reisen und keine Zeit haben, wenn man Zeit hat, geht´s einem dort
auch besser. Aber diese Art von Eßkultur, die bei uns herrscht, die bringt uns
um. Wir leben zwar länger, aber im Grunde genommen leben wir gar nicht länger,
sondern wir werden mitkonserviert. Wir sterben langsamer. Das ist die
Situation.
Frage:
Das heißt, wir müssen uns, wenn wir jetzt die Lebensmittel
untersuchen, ähnlich wie beim Thema Krebs, den Gesamtverband betrachten. Es
kommt auch darauf an, welcher Bauer hat es angebaut, sondern eben die
Gesamtfaktoren einzubeziehen, wieviel Sonne hat es abgekriegt...
Popp:
Nein, das ist zwar wichtig für den Hersteller, aber wichtig
wäre es, wenn man wirklich Methoden hätte, mit denen man die Qualität im
ganzheitlichen Sinne überprüfen könnte. Deswegen ist eben die Biophotonik in
meinen Augen sehr wichtig. Ich kann mir überhaupt nicht vorstellen, daß das
später an der Ladenkasse geschieht, sondern ich kann mir vorstellen, daß der
Erzeuger und teilweise geschieht das ja heute schon, sich selbst und seine Ware
mit solchen Methoden überprüft und optimiert.
Frage:
Sie haben mit der Biophotonik eine Methode gefunden,
Freilandeier zu unterscheiden von Batterieeiern. Es gibt nach biochemischer
Vorstellung ja dann überhaupt keinen Unterschied, Ei ist Ei und die
biochemischen Zusammensetzungen dieser beiden Sorten Eier, die mögen, wenn die
Ernährung der beiden Hühner auch gleich war, gar nicht so ...
Popp:
Wir haben Beispiele, wo eben alles gleich war. Die Ernährung
war gleich, die Hühner waren gleich, mit einer Ausnahme, die einen konnten
rausgehen wann sie wollten, die anderen wurden im Stall gehalten, das war der
einzige Unterschied. Und da zeigten sich dramatische Unterschiede in der
Biophotonenemission und zwar hundert Prozent. Die Freilandeier hatten doppelt so
hohe Speicherwerte wie die Batterieeier. Das heißt also, die hätten dann
durchaus doppelt so teuer sein können.
Frage:
D.h. diese Eier sind doppelt so gut oder doppelt so gesund,
weil sie die doppelte Menge an geordneten kohärenten Lichtinformationen mit sich
bringen.
Popp:
Ja. Gut, ich meine wir sagen jetzt doppelt, das kann auch
zehnmal so gut sein. Wir wissen es nicht. Diese starke Veränderung kann
ernährungsphysiologisch zu einer dramatischen Verbesserung der Qualität führen.
Wir haben keine direkte quantitative Zuordnung, aber ich meine, der Verbraucher
spürt das ja auch glücklicherweise und solange die Menschheit ihre
Grundrationalität und ihr Grundgefühl in diesen Situationen nicht verloren hat,
kann man sich ja noch darauf verlassen und kann guten Mutes sein, daß sich das
bessere dann durchsetzt. Letztlich leben wir von diesen Reserven des gesunden
Menschenverstands in der Bevölkerung.
Frage:
Ich würde gerne noch einmal auf Grundlagen der Biophotonik
kommen, die quantenphysikalischen und auch die "weltbildlichen". Wir haben ja
zum einen in den alten medizinischen Vorstellungen oder überhaupt von den
Vorstellungen vom Menschen schon immer die Idee einer Lebenskraft, die als
Brahma oder als Chi auftaucht in den asiatischen Medizinsystemen. Wir haben die
Vorstellung der Aura, daß jeder Mensch über eine Aura verfügt, in verschiedenen
esoterischen Anschauungen steht das im Zentrum des Interesses. Die Biophotonen
scheinen mir so etwas zu sein wie die letztendlich feststoffliche
Materialisierung dieser bisher nur feinstofflich bezeichneten Dinge. Gurwitsch
hatte damals noch Probleme, weil die quantenphysikalischen Vorstellungen, wie
sie heute da sind, damals erst formuliert wurden. Würden Sie dem zustimmen, daß
wir heute mit der Biophotonik eigentlich jetzt den materiellen Beweis diese
alten, vitalistischen Lebenskraftvorstellungen?
Popp:
Also, daß solche Vorstellungen existieren und daß sie dann als
Esoterik oder wie auch immer genannt werden, ist natürlich überhaupt kein
Argument dafür, daß sie falsch sein müssen. Das ist schon mal von Anfang an ...
und ich würde auch als Physiker sagen, wenn solche Vorstellungen schon immer
existiert haben, dann ist vermutlich auch etwas dran. Die Leute haben ja früher
auch denken können und die Denkkapazität hat sich nicht merklich verbessert, sie
ist nur etwas ineffektiver geworden glaube ich. Aber wenn man dann
wissenschaftliche Grundlagen für die sagen wir prinzipielle Richtigkeit solcher
Überlegungen findet, dann ist zunächst mal für mich gar nicht so wesentlich, mit
wem man sich dann anlegt, sondern entscheidend für mich ist, ob man das auch
wirklich belegen kann mit den wissenschaftlichen Methoden, die zur Verfügung
stehen. Und man hat um so mehr Probleme wissenschaftliche Beweise zu führen, je
weniger lokal die Ereignisse sind, mit denen man sich beschäftigt. Wenn Sie
alles an einem Substrat aufhängen können, wenn Sie irgendein Molekül
identifizieren können, ein lokales Ereignis mit einem Detektorsystem im
positivistischen Sinne, dann ist das überhaupt kein Problem. Aber wie will man
nicht-lokale Wechselwirkungen über lokale Ereignisse dokumentieren? Und hier hat
die Quantentheorie enorm weitergeholfen, weil die Quantentheorie sich im Grunde
genommen genau mit diesem Problem beschäftigt. Die Quantentheorie lokalisiert
Felder, lokalisiert Erscheinungen, von denen sie gar nicht weiß, was diese
Erscheinungen sind. Sie weiß nur, daß wenn sie ganz bestimmte experimentelle
Anordnungen trifft, ganz bestimmte Antworten dieser Erscheinungen bekommt. Das
beginnt schon bei dem Begriff Photon. Ich betrachte ein Foto nicht als Teilchen,
obwohl es auch von Quantentheoretikern immer als Teilchen betrachtet wird.
Photon ist eigentlich ein Prozeß. Photon ist ein Wechselwirkungsprozeß eines
elektromagnetischen Feldes mit einem Detektorsystem so, daß lokal eine bestimmte
Energie übertragen wird in einer ganz bestimmten Zeit. Wenn dann das Produkt aus
dieser übertragenen Energie multipliziert mit der Zeit, die notwendig ist, eine
ganz bestimmte Grenze, nämlich das Plancksche Wirkungsquantum überschreitet,
dann macht es klick, und dann sagt man, aha, jetzt habe ich ein Photon
gelöst/gelöscht? Das ist ein Photon, das ist ein Prozeß. Und was sich dahinter
abspielt hinter diesem Ereignis ist und bleibt für alle Zeiten nicht erkennbar.
Und allein die Einsicht, daß es eben Dinge gibt, die wir grundsätzlich nicht
erkennen können, hat zu einer Veränderung unseres Weltbildes geführt, die uns
dann auch die Möglichkeit gibt, über z.B. biologische Systeme in einem ganz
anderen Sinne zu sprechen, wir sind nicht gezwungen jetzt im biologischen System
jedes einzelne Molekül an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt richtig
zuzuordnen, das ist völlig unmöglich um Biologie zu verstehen. Sondern wir
müssen uns auf das konzentrieren, was wichtig ist zum Verständnis und was wir
auch wirklich verstehen können. Und wichtig ist es z.B. überhaupt nicht, oder
nicht so wichtig, welche Reaktion im Organismus stattfindet, die vielen
Moleküle, die da ständig herumschwirren und die irgendetwas miteinander machen,
sind nicht so entscheidend für das, was geschieht. Wichtig ist herauszufinden,
warum geschieht eine Reaktion zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt an einer ganz
bestimmten Stelle. Darauf gibt uns die Biochemie keine Antwort. Darauf kann uns
aber die Quantentheorie eine Antwort geben. Sie kann uns auch eine Antwort geben
z.B. auf die wichtige Frage, warum laufen wir nicht als Molekülhaufen durch die
Tür? Wenn ich durch die Tür gehe, bin ich kein Nebel als Molekül, sondern ich
bin eine Ganzheit, ich fühle mich als eine Ganzheit die kompakt zusammen ist und
bei der man Fußzeh genauso wichtig ist, wie mein rechtes Ohr und die beiden
gehören in diesem Zustand zusammen. Wie entsteht dieses Gefühl der
Ganzheitlichkeit? Das kann ich nicht dadurch beantworten, daß ich sage, da in
jeder Zelle ist ein A und da ist ein RNA und da entstehen Enzyme usw., das kann
ich nur beantworten über die Felder, die das Ganze zusammenhalten, die irgendwie
dahinterstehen hinter dem, was wir messen. Und das was dahintersteht ist ja ein
komplexes Feld mit einer Unmenge von Informationen, die wir uns überhaupt nicht
vorstellen können. Und dieses Gefühl der Ganzheitlichkeit das entsteht nicht aus
dem Feld des Wissens, sondern es entsteht eben aus diesem Feld der vielen
Möglichkeiten, die sich dahinter verbergen. D.h. es ist ein Potentialfeld im
Grunde genommen, daß uns zusammenhält. Die Erwartung, daß irgendetwas geschehen
könnte, verbindet all diese Teilchen in diesem engen Informationsfeld, wie ein
Leim, der das Ganze nicht auseinanderfallen läßt. Das sind Vakuumkräfte im
Grunde genommen, das sind Kräfte, die dadurch entstehen, daß hier unendlich
viele Möglichkeiten so miteinander verzahnt werden, daß sie das Gefühl eines
ganzheitlichen Bewußtseins ergeben. Das ist nicht das Wissen über etwas, sondern
es ist das gemeinsame Unwissen, das die Dinge zu dem zusammenbringt, was wir
Bewußtsein nennen und das ist für das Verständnis von Leben von ganz
grundlegender Bedeutung. Das ist auch im Mittelpunkt unseres
Erfahrungsschatzes.
Frage:
Der Frage, die Schrödinger gestellt hat - "Was ist Leben?"-
sind wir ja auch in den 70er Jahren ein Stück nähergekommen. Sie hatten die
Gelegenheit mit dem Nobelpreisträger Ilya Prigogine zu diskutieren und zu
arbeiten - und dieser hat ja eigentlich uns ein Modell geliefert dafür, wie
Systeme funktionieren, die einerseits als ganze Systeme funktionieren,
andererseits aber offen sein zu müssen, nach außen und gleichzeitig in der Lage
ständig auf der Kippe zu stehen. Und daß dieses Auf-der-Kippe-stehen eigentlich
der ganz entscheidende Punkt ist, an dem sich die wichtigsten Ereignisse
abspielen und wo vielleicht auch Bewußtsein erst entsteht.
Popp:
Prigogine hat für nichtlebende Systeme zunächst mal, und das
ist eine herausragende Erkenntnis gewesen, die fast die Bedeutung hat wie die
Entdeckung Amerikas fast - er hat erkannt, daß es außerhalb des thermischen
Gleichgewichtes stabile, sich selbst stabilisierende Strukturen gibt. Das hat
man vor Prigogine gar nicht für möglich gehalten, weil man gesagt hat, wenn
etwas erwärmt wird, dann wird es immer formloser und chaotischer und hier zeigt
sich plötzlich, wenn ich etwas erwärme, dann treten plötzlich völlig neue
Strukturen auf...
Frage:
Ordnungen, geordnete Strukturen...
Popp:
Ordnungen, er hat sie dissipative Strukturen genannt, später
hat er dann auch kohärente Strukturen dazu gesagt. Das war ein wichtiger
Gedankenschritt in der Naturwissenschaft, weil man plötzlich erkannte, daß es
eben außerhalb des thermischen Gleichgewichtes Systeme gibt, die sich
stabilisieren können. Heute, lange Zeit nach dieser Entdeckung von Prigogine
geht das sogar soweit, daß man auch versteht, was "weit weg vom thermischen
Gleichgewicht" bedeutet. Weit weg vom thermischen Gleichgewicht kann sein, ganz
nahe am thermischen Gleichgewicht und trotzdem weit weg. Es kann sein, daß z.B.
keine dramatische Temperaturänderung auftreten muß, sondern daß in unmittelbarer
Nachbarschaft der herkömmlichen Temperaturen Zustände entstehen können, die sich
weit weg vom thermischen Gleichgewicht befinden, weil sie autokatalytische
Funktionen haben, weil sie nicht miteinander wechselwirken. Und biologische
Systeme scheinen ganz besondere Systeme zu sein, die aus meiner Sicht jetzt, ich
denke da etwas darwinistisch, es als einzige per definitionem wohlgemerkt, aber
darin unterscheide ich mich von Darwin, per definitionem als einzig biologische
Systeme, Lebewesen es geschafft haben, sich physikalisch in der Nähe des
thermischen Gleichgewichts, weit weg autokatalytisch zu organisieren und dabei
gegen den zweiten Absatz der Wärmelehre, Negentropie, d.h. Ordnung, zu
kumulieren. Das ist jetzt zunächst mal die Definition. Und man kann jetzt
fragen, warum schaffen die das überhaupt? Was ist die Ursache dafür?
Frage:
Eigentlich geht so etwas doch gar nicht, es stellt die Physik,
den berühmten zweiten Hauptsatz der Thermodynamik, auf den Kopf?
Popp:
Der zweite Hauptsatz wird überhaupt nicht verletzt. Der zweite
Hauptsatz gilt ja nur für abgeschlossene Systeme. Und ein biologisches System
... allein schon aus diesem Grunde kann es nicht abgeschlossen sein.
Doch jetzt kommt die entscheidende Frage: Wie kann man das
physikalisch erklären? Und meine Antwort ist eine sehr profane Antwort, die auch
noch nicht in letzter Konsequenz durchdacht worden ist. Aber ich weiß, der Weg
führt nur über diese Antwort: Wir haben eine wahnsinnig hohe Informationsdichte
in der DNA. Die DNA hat eine um milliardenfach höhere Informationsdichte als das
technisch heute überhaupt möglich ist. Sie haben ein Volumen von 10 hoch minus 9
Kubikzentimeter pro Zelle. In diesem Volumen haben Sie ein Molekül, das ist zwei
Meter lang und das wird dort nach raffiniertester Weise aufgeknäult, und über
diese zwei Meter haben Sie 10 hoch 10 Basenbare. Für den gesamten Menschen ist,
wenn Sie das auf einem Faden aufwickeln, kommt dabei eine Strecke von 10 hoch 13
Kilometer heraus, das entspricht dem Durchmesser unseres Planetensystems. Und
dieser, auch von der molekularen Seite her, ungewöhnliche Aufwand, diese extreme
Informationsdichte führt auch physikalisch zu einem Phänomen, das man in der
täglichen Physik nicht kennt und auch in der Technik nicht, dieses Phänomen
heißt Bosekondensation. Bosekondensation heißt, z.B. Photonen werden dort, wie
in einer Falle, einer Kühlfalle, regelrecht kondensiert und eingefroren. Sie
haben ein völlig neuen Aggregatzustand, der von der Technik her nicht bekannt
ist. Und in diesem Aggegratzustand läßt sich also das Licht regelrecht
einzufrieren, speichern, wie in einer Kühlfalle aufzusaugen. Und sorgt für diese
elementare Stabilität.
Frage:
Sie haben die DNA eben als diese endlos lange Molekül
beschrieben, so daß jeder Mensch oder die Kette des Seins letztlich aus einer
endlos großen Schlange besteht. Doch die menschliche die DNA ist inaktiv zu 97,
98 Prozent... eigentlich also überflüssig. Die Evolution neigt aber zur
Effizienz, wie wir wissen, und es ist sehr nwahrscheinlich, daß so ein Molekül
sich über die Milliarden Jahre der Entwicklung des Lebens gehalten hat,
entwickelt hat, ausgebildet hat in solcher Länge, ohne einen besonderen Grund.
Ihre Hypothese dazu ist, daß die DNA eigentlich eine Lichtpumpe, ein
Lichtspeicher ist, die dazu dient, eben das Informationssystem – und nicht nur
den genetischen Bauplan sozusagen, der da einmal abgelegt ist-
aufrechtzuerhalten.
Popp:
Zum Beispiel über die Lichtkopplungen den einzelnen Molekülen
im Zellverband mitzuteilen, an welcher Stelle zu welchem Zeitpunkt sie aktiv
werden müssen. Die Frage der Organisation wird von dieser Informationsdichte aus
überhaupt beantwortbar. Das heißt also diese 98 Prozent spielen eben die Rolle
einer Organisationseinheit. Es gibt ja mehr und mehr Molekularbiologen, die das
auch glauben, die aber dann sagen, na gut, das sind die Bürokraten in der Zelle.
Frage:
Es gibt ja Hypothesen, die postulieren, daß Morphogenese, die
Formbildung, über eine Fernwirkung stattfindet. Die Biophotonen sind ja nun das
Gegenteil von Fernwirkung, sie sind ultraschwach und kurz und sozusagen für die
Nähe gedacht. Glauben Sie, daß wenn wir jetzt das Biophotonenfeld, so wie wir
das hier dargestellt haben letztendlich in seinen Details, auch in seinen ganzen
Frequenzdialekten gefunden haben, daß wir dann keine weiteren physikalischen
oder nichtphysikalischen Felder mehr brauchen, daß wir dann sozusagen die
Lebensphänomene insgesamt in der Lage sind zu erklären? Die Frage der
Formbildung, so wie sie jetzt der klassische Neodarwinismus uns präsentiert, ist
ja sehr unbefriedigend, wo gesagt wird, ja, da gibt´s die DNA, das ist der
genetische Bauplan. Doch die DNA in meinem Knie ist ja identisch mit der in
meiner Nase und trotzdem wächst die Nase ganz anders als das Knie. Woher weiß
die Zelle im Knie, was ein Knie ist. Diese Fragen kann ja die klassische Lehre
uns im Moment noch nicht beantworten. Glauben Sie, daß wir über das
Biophotonenfeld hinaus noch weitere Felder brauchen, wie es zum Beispiel Rupert
Sheldrake sagt, der meint, jede Spezies baut ein Feld auf, was sich nicht-lokal
überträgt?
Popp:
Es ist sehr schwer, da endgültige Aussagen zu machen. Also
anfänglich dachte ich, elektromagnetische Felder müßten eigentlich ausreichen,
weil wir die Möglichkeiten, die wir damit haben, noch bei weitem nicht
ausgeschöpft haben und gar nicht wissen, was es da noch für Möglichkeiten gibt.
Es ist sehr schwer, die Möglichkeiten elektromagnetischer Felder auch für
biologische Organisationen aus der heutigen Sicht überhaupt vollständig zu
verstehen. Aber trotzdem neige ich in letzter Zeit mehr und mehr dazu, auch
Sheldrake´s und ähnlichen Überlegungen mehr Raum zu geben und zwar aus folgendem
Grund: Es gibt auch in der Quantentheorie nichtelektromagnetische
Wechselwirkungen, die von großer Bedeutung sind und die genau auch in dieser
Richtung von Sheldrake hingehen. Ich denke hier z.B. an
Austauschwechselwirkungen oder an Casimirkräfte. Casimirkräfte sind
nichtelektromagnetischer Art. Casimirkräfte sind einfach Kräfte, die dadurch
entstehen, daß ein Teil des Phasenraums abgeschnitten wird. Es ist keine
elektrische Kraft in dem Sinne. Ähnlich kann man sich auch Austauschkräfte
vorstellen, die einfach dadurch zustande kommen, daß die Teilchen identisch
sind. Das führt zu einer sehr interessanten Vorstellung. Wenn Sie zwei
identische Teilchen zu einem Zeitpunkt miteinander vertauschen, wissen sie
natürlich nicht, daß sie vertauscht sind. Es gibt keine Information darüber,
wenn zwei Zwillinge völlig identisch sind, dann können sie, wenn Sie nicht
hingucken, ihre Plätze vertauschen und Sie haben keine Möglichkeit
herauszufinden, ob sie es getan haben oder nicht. Diese Vertauschbarkeit führt
zu einem neuen Zustand, der aber vom alten Zustand nicht unterscheidbar ist und
dadurch entstehen Wechselwirkungskräfte, die auch wirklich nachweisbar sind,
diese Kräfte treten auf, ihre Ursache ist nicht irgendwie eine elektrische
Kraft, sondern einfach nur die Ununterscheidbarkeit identischer Teilchen, es
sind sozusagen statistische Kräfte, die auftreten. Und das hat zu der absurden
Situation geführt, daß Demokritos, der die Welt in immer kleinere Teilchen
geteilt hatte und letztlich sie in nichtidentische subatomare Einheiten
unterteilt hat, die nicht mehr unterscheidbar sind, dazu geführt hat, daß wir
zum gleichen Zeitpunkt denken müssen, daß jedes dieser Teilchen zu jedem
Augenblick in der Welt mit jedem anderen Teilchen seine Plätze tauscht und damit
einen intelligenten, logischen Zusammenhang hergestellt hat, der letztlich alles
mit jedem verbindet. Er hat also genau das Gegenteil von dem erreicht was er
wollte. Heute müssen wir von einem universalen globalen intelligenten Netzwerk
von Wechselwirkungen ausgehen, die alle Teilchen mit jedem zu jedem Zeitpunkt
verbindet. Und diese Kräfte sind vorhanden und sie spielen meiner Meinung nach
auch in einem Organismus eine ganz entscheidende Rolle.
Frage:
Gerade in der vorigen Woche stand im New Scientist eine
Titelgeschichte, daß die Unschärferelation jetzt mittlerweile nicht widerlegt,
aber überflüssig geworden ist, wenn man die Quantenverwickeltheit
berücksichtigt. Also die Tatsache, die Einstein damals so verrückt gemacht hat,
daß diese beiden Teilchen, die man in die entgegengesetzte Richtung schickt,
dennoch in Verbindung bleiben, auch wenn sie nicht in der Lage sind, zu
kommunizieren – es sei denn, in Überlichtgeschwindigkeit. Das einen Schritt
weitergedacht führt uns dahin, daß wir quantenphysikalisch gar nichts mehr
anderes annehmen können, als eine Ganzheit. Das Interessante ist jetzt, daß wir
bei den Biophotonen letztlich ja auch diesen Doppelzustand, das
Teilchen-Welle-Paradoxon haben, d.h. daß etwas durchaus lokalisierbar, also als
Individuum, hier an einem Ort, vorstellbar ist, als auch als eine Ganzheit, also
eine Frequenz oder Welle, die über den ganzen Organismus verbreitet ist.
Popp:
Man spricht hier von gequetschten Zuständen, von nicht
klassischen Zuständen. Und es ist sicher hochinteressant, daß man heute weiß,
was man zu der Zeit, als ich angefangen habe, noch nicht wußte, daß solche
gequetschten Zustände nur dann auftreten können, wenn die Lichtintensität
äußerst schwach ist. Wenn wir also in diesem Bereich sind, in dem Lebewesen
Licht emittieren. Wäre die Intensität höher, ginge das nicht. Und erst von
diesem Bereich an, von etwa hundert Quanten im Feld, treten solche Phänomene wie
die Unschärferelation, sie wird nicht ungültig, sondern sie kann flexibler sein.
Sie müssen Orts- und Unschärfe nicht mehr festhalten, sondern sie können die
Ortsunschärfe auf Kosten der Frequenzunschärfe und umgekehrt variieren. Sie
haben dann plötzlich die Möglichkeit, das Feld auf einen Punkt zu lokalisieren,
also ein einzelnes Molekül zu treffen mit dem Photon, oder aber das Gesamtsystem
als Ganzes mit diesem Photon zu erfassen. Dazu brauchen Sie allerdings ein
breites Frequenzspektrum und das ist auch wahrscheinlich der Grund, daß wir
wirklich in den Biophotonenspektrum ein sehr breites Frequenzspektrum haben. Wir
haben nicht monochromatische Wellen wie beim Laser, wir haben ein breites
Frequenzspektrum, das kann in diesem Bereich dann dazu führen, daß Sie
lokalisieren können und daß Sie delokalisieren können, daß Sie wir so eine
Ziehharmonika können Sie die Teile miteinander verbinden oder separieren.
Frage:
Es scheint ja in ihrem Fall wieder einmal so zu sein, daß der
Prophet im eigenen Land nichts rechtes gilt, während Ihre Arbeiten mittlerweile
in China und weit weg vom Schuß sehr ernstgenommen und mit viel Geld gefördert
werden Wie ist der aktuelle Stand der Biophotonenforschung heute, was passiert
im Moment im Ausland, was geschieht hier und womit können wir in naher Zukunft
rechnen ?
Popp:
Im Moment haben wir etwa vierzig Arbeitsgruppen weltweit, die
sich mit Biophotonen beschäftigen und die Literatur auf diesem Gebiet steigt
exponentiell an. Die Leute kennen sich noch untereinander. Und es ist eine
erstaunlich große Harmonie zwischen den verschiedenen weltweit tätigen Gruppen
vorhanden, die sich gegenseitig informieren, die sich respektieren, die nicht
alle die gleiche Meinung haben, aber die voneinander wissen und auch voneinander
profitieren. Die Tagungen, die stattfinden, in diesem Jahr wird sie wieder an
der Moskauer Staatsuniversität sein, wird fast von allen besucht. Alle bemühen
sich, gemeinsam zu publizieren. Und das Meinungsspektrum wird nicht von mir
beherrscht, sondern das Meinungsspektrum wird von unabhängigen Wissenschaftlern
beherrscht, die in vieler Hinsicht auch völlig verschiedene Auffassungen haben.
Aber man respektiert sich, weil man weiß, daß eben der Weisheit letzter Schluß
noch nicht gefunden worden ist. Und es sind technische Entwicklungen da, die vor
einigen Jahren undenkbar waren. Man macht jetzt Ganzkörperanalyse, man macht
Lebensmittelqualitätsanalytik, nicht nur bei uns. Man findet verschiedene
Anwendungen in der Medizin, in der Umweltthematik, also es fächert sich auf, es
werden verschiedene Teile behandelt. Z.B. der größte Anwender in der
Lebensmittelindustrie sind die Japaner im Moment. Das japanische
Landwirtschaftsministerium fördert solche Methoden. Und die Technik wird auch
verbessert, die Theorie wird verbessert. Ich habe einen indischen Kollegen,
Quantentheoretiker an einer der Eliteuniversitäten in Indien, Kernphysiker, der
sich speziell mit diesem Gebiet beschäftigt und der sich auch mit den
gequetschten Zuständen beschäftigt, weil er überzeugt davon ist, daß eben diese
nichtklassischen gequetschten Zustände von der Biologie genutzt werden. Es gibt
Verbindungen zu amerikanischen Universitäten, z.B. zur Boston-Universität, wo
ein gestandener Kernphysiker, der die meiste Zeit auch bei CERN verbringt, sich
jetzt verstärkt der Biophotonik zuwenden möchte. Wir haben Konktate zum
Nachfolger von Herbert Fröhlich, der immerhin die Supraleitung aufgedeckt hat,
der zu den bekanntesten Nestoren dieses Gebietes gehört. Dieser Nachfolger hat
gesagt, er möchte sich uns anschließen, weil er dort die Ideen Fröhlichs am
besten aufgehoben sieht. Es ist also eine Vielfalt von positiven Strömungen
erkennbar. Die Entwicklung ist nicht mehr totzuschlagen und auch wenn in
Deutschland immer noch ein kaum übersehbarer Gegenwind vorhanden ist, wird man
die Entwicklung nicht aufhalten können, sondern ganz im Gegenteil, die
Entwicklung wird, wenn es so weiter geht, an den Deutschen vorbeigehen.
Das Gespräch führte Mathias Broeckers im März 1999 in München.
Dank an Brigitte Streubel.
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